 uns den entfernten Gegenstand nähert, ihm aber zugleich etwas von
dem Seinigen mitgibt, ist romantisch.«
    »Was liegt denn zwischen Ossian und seinen Darstellungen?« sagte Haber.
    »Wenn wir mehr wüssten,« erwiderte ich, »als dass eine Harfe dazwischenliegt,
und diese Harfe zwischen einem großen Herzen und seiner Schwermut, so wüssten wir
des Sängers Geschichte und die Geschichte seines Temas.«
    Godwi setzte hinzu: »Das Romantische ist also ein Perspectiv oder vielmehr
die Farbe des Glases und die Bestimmung des Gegenstandes durch die Form des
Glases.«
    »So ist nach Ihnen also das Romantische gestaltlos,« sagte Haber, »ich
meinte eher, es habe mehr Gestalt als das Antike, so, dass seine Gestalt allein
schon, auch ohne Inhalt, heftig eindringt.«
    »Ich weiß nicht,« fuhr ich fort, »was Sie unter Gestalt verstehen. Das
Ungestaltete hat freilich oft mehr Gestalt, als das Gestaltete vertragen kann;
und um dieses Mehr hervorzubringen, dürften wir also der Venus nur ein Paar
Höcker anbringen, um sie romantisch zu machen. Gestalt aber nenne ich die
richtige Begrenzung eines Gedachten.«
    »Ich möchte daher sagen,« setzte Godwi hinzu, »die Gestalt selbst dürfe
keine Gestalt haben, sondern sei nur das bestimmte Aufhören eines aus einem
Punkte nach allen Seiten gleichmäßig hervordringenden Gedankens. Er sei nun ein
Gedachtes in Stein, Ton, Farbe, Wort oder Gedanken.«
    »Es fällt mir ein Beispiel ein,« versetzte ich, »verzeihen Sie, dass es die
so sehr gewöhnliche Allegorie auf die Eitelkeit der Welt ist. Nehmen Sie eine
Seifenblase an, denken Sie, der innere Raum derselben sei ihr Gedanke, so ist
ihre Ausdehnung dann die Gestalt. Nun aber hat eine Seifenblase ein Moment in
ihrer Ausdehnung, in der ihre Erscheinung und die Ansicht derselben in
vollkommener Harmonie stehen, ihre Form verhält sich dann zu dem Stoffe, zu ihrem
innern Durchmesser nach allen Seiten und zu dem Lichte so, dass sie einen schönen
Blick von sich gibt. Alle Farben der Umgebung in ihr schimmern, und sie selbst
steht nun auf dem letzten Punkte ihrer Vollendung. Nun reißt sie sich von dem
Strohhalme los, und schwebt durch die Luft. Sie war das, was ich unter der
Gestalt verstehe, eine Begrenzung, welche nur die Idee festhält, und von sich
selbst nichts spricht. Alles andere ist Ungestalt, entweder zu viel, oder zu
wenig.«
    Hier versetzte Haber: »Also ist Tassos Befreites Jerusalem eine Ungestalt« -
    »Lieber Haber,« sagte ich, »Sie werden mich ärgern, wenn Sie mir nicht
sagen, dass Sie mich entweder nicht verstehen, oder mich nicht ärgern wollen.«
    »
