 den Fall, dass man einen guten
unbefangenen Menschen nach und nach so betäubt, dass er unvermerkt in irgendeine
Handlung hineintaumelt, die unsere strengere Moral nicht guteissen kann; bei
diesem Umstande ist nur zweierlei möglich. Entweder er ist nach begangener Tat
ebenso unschuldig, als vorher, er hat sie, ohne den Vorsatz Böses tun zu wollen,
ausgeführt: nun so ist er zwar im Angesichte des buchstäblichen Gesetzes
schuldig, aber wahrlich nicht in den Augen der Vernunft, die nicht bloß die
grobe äußere, meistenteils nur zufällige Erscheinung, sondern den innern
boshaften Sinn bestraft, selbst wenn dieser keine Handlungen hervorbringt. - Der
zweite Fall ist also nun dieser: dass schändliche Handlungen aus einem
schändlichen Vorhaben entstehen. - Wie kann aber meine Seele fremde Überzeugung
wirklich als die ihrige annehmen? Wo willst Du den Punkt, den Moment auffinden,
in welchem eine reine Seele zu einer schlechten wird? Geschieht es durch einen
Zufall: wie ist es möglich, dass sich dadurch ein Flecken im Geiste erzeugt, da
er nur immer gute Gedanken und Vorsätze fassen kann? - Durch die Meinung eines
andern? Er wird mit reinem Sinne den fremden nicht begreifen, und wenn er ihn
begreift, so setzt dies schon voraus, dass er selbst verdorben sei. - Du wirst
Dich aus diesem Labyrinthe von Widersprüchen nicht herausfinden können; nimm
also meine Meinung an, und gib mir zu, dass Deine Furcht gänzlich ungegründet
ist.
    Aber unmöglich kann mein verständiger Eduard zu den Toren gehören, die nur
ihresgleichen lieben können; ich weiß, wie entfernt er von diesem
Sektierergeiste ist, daher brauch ich nicht zu heucheln, wenn ich von seiner
Meinung abweiche, um nur seine Freundschaft nicht zu verlieren. Ich darf mich
daher ebenso dreist wie sonst unterschreiben, meines geliebten
                                      Freundes zärtlicher Freund William Lovell.
 
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                          Walter Lovell an seinen Sohn
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Lieber Sohn!
    Ich weiß nicht, ob Du noch immer auf Deinen unglücklichen Vater zürnest,
Deine sparsamen und wortkargen Briefe lassen es mich befürchten. Ich habe Dir
bis jetzt unausgesetzt das verlangte Geld geschickt, ohne bisher ein Wort
darüber zu verlieren, ob Du gleich in jedem Vierteljahre mehr als im vorigen
gebraucht hast. Du findest hierbei auch den Wechsel, den Du so ungestüm
gefordert hast; nur zwingen mich diesmal die äußern Umstände, einige Worte
hinzuzufügen, die Dir und mir gleich unangenehm sein müssen.
    Ich habe seit mehreren Jahren nur in Dir und in der Aussicht einer schönen
Zukunft gelebt: aber seit einem halben Jahre hat sich Dein Herz von Deinem Vater
abgewandt; ich wüsste kaum, dass Du noch lebtest, wenn Deine Briefe, in denen Du
mich, wie ein ungestümer Gläubiger um Geld mahnest, mich nicht mittelbar davon
benachrichtigt hätten. Ich gab Dir alles gern
