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zwei Sopranen, Alt, Tenor, und Bass; bei den vier Stimmen bleibt der Tenor weg.
Dieses lautet etwas jugendlicher, und bringt Kontrast hervor.«
    »Bei dem letzten Vers: Tunc imponent super Altare tuum vitulos, kommt der
erste und zweite Chor zusammen, und die Harmonie wird neunstimmig. Dieser letzte
Vers wird langsam und leise gesungen; die Töne schmelzen in einander, und
verlieren sich gleichsam nach und nach.«
    »Die Stimmen haben gar keine Begleitung von Instrumenten, nicht einmal der
Orgel. Die bloße Vocalmusik ist eigentlich, was in den bildenden Künsten das
Nackende ist.«
    »Ich habe dieses Miserere zweimal in der Sixtinischen Kapelle zu Rom mit den
besten Stimmen aufführen hören; und es hat so tiefen zerschmelzenden Eindruck
auf mich gemacht, dass ich bis zu Tränen gerührt worden bin.«
    »Dies wird bewirkt durch die Einfachheit der Harmonie, den breiten Umfang
derselben bis zu drittehalb Oktaven, und die Verwickelung und Auflösung der
Stimmen; auch dadurch, dass meistens bloß die Länge und Kürze der Sylben, und der
Sinn der Worte den Takt ausmacht; oder vielmehr, dass man das, was wir Takt
nennen, fast gar nicht merkt.«
    »Noch ein Umstand, keine Kleinigkeit, mag zur Wirkung beitragen, nämlich dass
diese Musik alle Jahr nur einmal aufgeführt wird, und also immer neu und heilig
bleibt.«
    »Dieselben Strophen von Musik werden fünfmal wiederhohlt; und noch das
sechstemal, jedoch mit Auslassung eines Gliedes.«
    »Das erste Glied des Gesangs ist fünfstimmig, geht aus dem G moll in B dur,
F dur; und kommt durch mancherlei Windungen in die Quinte D mit der großen
Terz.«
    »Dann das zweite Glied vierstimmig, wieder aus G moll, geht ebenfalls aus in
D dur.«
    »Dann das dritte Glied vierstimmig aus C moll, welches in G dur schließt.«
    »Und so wird dieselbe Strophe noch viermal wiederhohlt.«
    »Die sechste Wiederholung lässt, wegen Mangel an Worten, das zweite G moll
aus, und geht gleich in C moll über.«
    »Da die Worte keine Verse sind, und keine gleiche Sylben haben, und dieselbe
Musik doch fünfmal wiederhohlt werden soll: so werden sie bloß nach der
Aussprache untergelegt. Darum müssen sich denn die Sänger mit einander dazu
einstudirt haben, dass sie überein ihre Stimmen zur ganzen Harmonie passen.«
    »Und aus diesem allen zusammen entspringt die höchste Wirkung, welche Musik
leisten kann; nämlich der Sinn der Worte geht in die Zuhörer mit seiner ganzen
Stärke und Fülle über, ohne dass man die Musik, ja so gar die Worte nicht merkt,
und in lauter reine Empfindung versenkt ist.«
    »Schauder der Reue,
