 Meister sie
dreimal hinter einander bei Euiridice, dove sei, e dove, dove sei!«
    »So braucht Jomelli sie recht wesentlich, wo Aeneas der Dido ankündigt, dass
er sie verlassen muss; und sie darauf in plötzlichem Erschrecken ausruft: A chi,
misera me, darò più fede! tief aus der Seele.«
    »Im Ippolito ed Aricia von Traetta ist ein Meisterstück von ihrem Gebrauch
gleich in der ersten Szene. Aricia soll aus Politik des Teseus sich der ewigen
Keuschheit im Tempel der Diana und zu ihrer Nymphe widmen; liebt aber den
Hippolyt, der ihr seine Leidenschaft schon zu erkennen gegeben hat. Diese
Situazion ist durch die Musik ganz vortrefflich aus der zarten jungfräulichen
Seele dargestellt; ein Triumph der Gabrieli.«
    »Als die fromme Unschuld in dem feierlichen Tempel auftritt, ruft sie voll
Kummer aus: O di tranquilla pace amabil sede, ascolta, o tempio, i voti miei.«
    »Auf einem Worte, wo man es nicht denken sollte, auf amabil, herrscht in der
Musik der Schmerz der übermäßigen Sext; und vortrefflich, aus dem Innersten
geschöpft! Nichts konnte das Misshellige des Gegenstandes für das innere Gefühl
besser ausdrücken. Die Szene ist recht im großen Styl; das Gold vom Genie
hervorgegraben und herausgeschmolzen, die Wortschlacke den Schulmeistern
überlassen. Alsdann folgt die süße Wehmut der verkleinerten Septime durch das
Ganze.«
    »Paesiello braucht in seiner Passion bei den Worten: Tutto geme il mondo
afflitto, zu geme erst die verkleinerte Septime selbst, und gibt der Melodie
die verkleinerte Terz davon, anstatt der kleinen, in einem Abstand von zwei
Oktaven, wo sie dem Gehör fasslich wird.«
    »Noch mehr wird sie es in einem Abstand von drei Oktaven; näher klappt sie
eher als dass sie klänge, drückt aber Stöhnen von beklemmtem Herzen und höchste
Wehmut vortrefflich aus. Bei afflitto kommt dann die übermäßige Sext durch die
Umkehrung.«
    »In großen Werken darf man nicht damit spielen, nicht das Pulver zur leeren
Pracht vergebens verschiessen, um das mit der Kugel geladne Gewehr zur rechten
Zeit abfeuern und den bestimmten Fleck treffen zu können.«
    »Die übermäßigen Intervallen drücken überhaupt heftige Leidenschaft aus, die
sich nicht mehr verbergen kann. Als Beispiel von der übermäßigen Sekunde: Padre,
regina, deh! questo cor lasciate; Hippolyt im dritten Akt, bei Traetta.«
    »Jomelli braucht dieselbe vortrefflich mit der übermäßigen Quart siebenmal
nach einander, bei den Worten des Orestes: Cessa, di lacerarmi, di lacerarmi il
core.«
    »So Traetta, zweimal die übermäßige Quart bei der Phädra, die über den
Hippolyt erbittert ist: Perderlo vorrei, perderlo vorrei.«
    »So wieder Jomelli die übermäßige Quinte bei der Stelle des Orestes
