 ist eine Lust,« sagte Lockmann sehr vergnügt und heiter, »sich mit
Personen von so viel Geschmack und Kenntnissen über solche Gegenstände zu
unterreden.«
    »Die Hauptregel bleibt immer, dass ein Künstler nichts wagen soll, was er mit
seiner Kunst entweder gar nicht, oder gegen andre Künste nur langweilig und
schwerfällig, leisten kann.«
    »Pantomime allein ist eigentlich für Personen, die sich der Worte nicht
bedienen dürfen, aus Furcht von Feinden gehört oder verstanden zu werden; oder
die sich der Sprache nicht bedienen können, weil die einen Peruanisch und die
andern Kastilianisch reden: oder überhaupt, weil sich das, was sie empfinden,
fühlen, denken und bedürfen, mit Worten entweder gar nicht, oder doch nur
schwach, sagen lässt.«
    »Zwischen solchen wird ein Ballet, ja schon eine Szene, immer höchst reizend
sein, und alles andre dagegen matt und schwach werden, wenn die Schauspieler es
in der Mimik bis zur Vollkommenheit und Grazie gebracht haben.«
    »Pylades und Batyll, die freigelassnen Griechen, trieben sie auch in jenen
Zeiten, wo es oft gefährlich war, sich mit Worten auszudrücken, bis zu ihrem
weitesten Umfang. Sie gebrauchten wahrscheinlich manche willkürliche Mienen,
Gebärden, Bewegungen des Körpers, die in Syrakus unter den Dionysen, und in Rom
während der bürgerlichen Kriege, ihren leicht verständlichen Sinn erhalten
hatten. Ihre Vorstellungen waren unter dem Augustus ein angenehmer Schatten
freier Gesinnungen. Da die Komödien aufhörten, so ward dieser Zeitvertreib
doppelt willkommen.«
    »Die Römer wurden in dem ersten, zweiten und dritten Jahrhundert unsrer
Zeitrechnung so davon entzückt und bezaubert, dass jedes andre Schauspiel seinen
Reiz für sie verlor. Und noch jetzt scheinen in dem südlichen pantomimischen
Italien einige willkürliche Zeichen davon übrig zu sein.«
    »Aus Florenz kam in den neueren Zeiten das Ballet mit den Mediceischen
Prinzessinnen nach Frankreich. Quinault verwebte es hernach als einen
wesentlichen Teil in das Wunderbare seiner Opern. Rameau's beredte und
leidenschaftliche Musik rückte es, nach Noverre'ns eigenem Geständnis, seiner
Vollkommenheit näher; und der letztre scheint es, mit den außerordentlichen
Künstlern und Künstlerinnen Dupré, den Vestris, Dumoulin, Lany, den Demoisellen
Lany und Sallé zur höchsten Vollendung gebracht zu haben.«
    »Aber man kann zweifeln, ob es sich mit den Worten der Poesie in den Opern
je zu einem reinen gediegnen Gusse werde bringen lassen, einzelne Szenen
ausgenommen.«
    »In unsern neueren Balleten herrschen die einmal angenommenen bestimmt
ausgebildeten Formen von Chaconnen, Passecaillen, und so weiter; und die
Pantomime dient diesen nur zur Abwechselung und Veränderung.«
    Wallersheim erwiderte: »Diese Verzierungen oder Ausschmückungen mögen wohl
notwendig sein, da Sie die Pantomime für sich allein so sehr einschränken. Das
