 Traums, oder Wahrheit wären, aber - -
 
                                 Zweiter Teil
                                  Erstes Kapitel
                                   Ein Verhör
Aber - - Doch, mein Leser, wie können wir dir zumuten, dass dir das Ende unsers
ersten Teils noch so lebhaft vorschweben sollte, dass du vermögend wärest, es
vermittelst eines Abers an den Anfang des zweiten anzuknüpfen! - Wisse also,
dafern du es vergessen hast, du verliessest den ehrlichen Herrmann von Unna in
einer der seltsamsten Lagen, die sich denken lassen. Von einem Traume erwacht,
der sein Innerstes erschütterte, und beim Erwachen von Dingen umgeben, die den
unordentlichen Bildern des wildesten Traums so ähnlich sahen, dass er zweifeln
musste, ob er wirklich erwacht sei. Kunzmanns überraschende Erscheinung, sein
Anblick, noch so bleich, zitternd und verstört, als damals, als er von Graf
Peters Ermordung zurückkam, das blutige Schwert, das Geschrei von der Ermordung
eines Herzogs, das Herrmann augenblicklich auf Friedrichen von Braunschweig
deutete und deuten musste, das wütende Herbeiströmen der Gewappneten; was für
ein Gewühl von Ideen mussten diese Dinge in dem noch halb schlaftrunkenen
Jünglinge machen!
    Er tat, wie wir im Vorigen gesagt haben, einige Schritte vorwärts um sich
zu belehren, aber ehe er noch ein Wort aufzubringen vermochte, tönte ihm aus
zwanzig rauen Kehlen das Gebrüll entgegen: hier ist er! hier ist der Mörder!
und zwanzig Schwerdter wurden bloß, sich mit seinem Blute zu tränken.
    Ein böser Geist schien es darauf angelegt zu haben, den Unschuldigen zu
Rettung des Verbrechers in Verdacht zu bringen; wie wäre es sonst möglich
gewesen, in einem anfangs tiefdenkend dastehenden, und dann sich seinen Feinden
langsam nähernden Menschen, in einem Jünglinge, mit den Zügen der Unschuld auf
dem Gesicht einen Mörder zu ahnden? - Die ganze Ähnlichkeit zwischen ihm und
dem eben entflohenen Kunzmann, den man mit Recht als den Vollbringer der
abscheulichen Tat verfolgte, bestand in der Gleichheit der Rüstung, und in dem
rosenfarbenen Ermel, den Hertingshausen, der sich eben so wohl als Herrmann zu
den Rittern der alten Minne zählte, gleich diesen trug.
    Herrmann war nicht gewohnt sich unverteidigt angreifen zu lassen, er griff
nach dem Schwerde, und da ihm Kunzmann das seinige geraubt hatte, so war er
freilich genötigt, das blutige Mordeisen aufzunehmen, welches der Bösewicht ihm
zurückgelassen hatte.
    Es war in den damaligen Zeiten nichts ungewöhnliches die Tapferkeit so weit
zu treiben, dass man statt gutwilliger Übergabe, wo man Überlegenheit der
Anzahl oder Stärke sah, lieber fechtend starb, als sich der Gnade des Feindes
überließ. Herrmann focht ritterlich, zween seiner Feinde lagen tot zu seinen
Füßen, und verschiedene andere hatten Wunden aufzuweisen, welche sie zu weiterm
Gefecht untüchtig machten. Endlich stürzte sich der ganze Haufe auf ihn; er ward
