 her gehend erblickte
und sich allerlei Vorstellungen machte, wie nun wohl die Stadt inwendig aussehen
und wie das Lobensteinsche Haus beschaffen sein würde - stand jetzt auf einmal
in seiner Erinnerung da. - Es war ihm, als ob er aus einem Traume erwachte - und
nun wieder auf dem Flecke wäre, wo der Traum anhub; - alle die abwechselnden
Szenen seines Lebens, die er diese anderthalb Jahre hindurch in Braunschweig
gehabt hatte, drängten sich dicht ineinander, und die einzelnen Bilder schienen
sich nach einem größeren Maßstabe, den seine Seele auf einmal erhielt, zu
verkleinern. -
    So mächtig wirkt die Vorstellung des Orts, woran wir alle unsre übrige
Vorstellungen knüpfen. - Die einzelnen Straßen und Häuser, die Anton täglich
wieder sah, waren das Bleibende in seinen Vorstellungen, woran sich das immer
Abwechselnde in seinem Leben anschloss, wodurch es Zusammenhang und Wahrheit
erhielt, wodurch er das Wachen vom Träumen unterschied. -
    In der Kindheit ist es insbesondre nötig, dass alle übrigen Ideen sich an die
Ideen des Orts anschließen, weil sie gleichsam in sich noch zu wenig Konsistenz
haben und sich an sich selber noch nicht festhalten können.
    Es fällt daher auch wirklich in der Kindheit oft schwer, das Wachen vom
Traume zu unterscheiden; und ich erinnere mich, dass einer unserer größten
jetztlebenden Philosophen mir in dieser Rücksicht eine sehr merkwürdige
Beobachtung aus den Jahren seiner Kindheit erzählt hat.
    Er war wegen einer gewissen bösen Angewohnheit, die bei Kindern sehr
gewöhnlich ist, oft mit der Rute gezüchtigt worden. Es hatte ihn aber, wie es
auch gewöhnlich ist, immer sehr lebhaft geträumet, er habe sich an die Wand
gestellt und ... Wenn er sich nun manchmal bei Tage zu dem Ende wirklich an die
Wand gestellt hatte, so fiel ihm die harte Züchtigung ein, die er so oft
erlitten hatte, - und er stand oft lange an, ehe er es wagte, einem dringenden
Bedürfnis der Natur ein Gnüge zu tun, weil er befürchtete, es möchte wieder ein
Traum sein, für den er wieder eine scharfe Züchtigung erwarten müsste - bis er
sich erst allenthalben umgesehen und dann auch in Ansehung der Zeit
zurückgerechnet hatte, ehe er sich völlig überzeugen konnte, dass er nicht
träume.
    Auch pflegt man des Morgens beim Erwachen oft noch halb zu träumen, und der
Übergang zum Wachen wird allmählich dadurch gemacht, dass man erst anfängt, sich
zu orientieren, und wenn man denn nur erst einmal den hellen Schein des Fensters
gefasst hat, so ordnet sich nach und nach alles übrige von selber.
    Daher war es sehr natürlich, dass Anton, nachdem er schon einige Wochen in
Braunschweig im Lobensteinschen Hause war, des Morgens noch immer glaubte, er
träume, wenn er schon wirklich wachte,
