 einzukleiden gelang, war etwas
Metaphysisches über Ichheit und Selbstbewusstsein. -
    Denn da er nun weiter denken und Gedanken niederschreiben wollte, so lag ihm
natürlicherweise nichts näher als dies: er wollte erst mit sich selbst gleichsam
in Richtigkeit sein, ehe er zu etwas anderm schritte. -
    Nun fing er an, den Begriff des Individuums zu verfolgen, der ihm schon seit
einigen Jahren, da er zuerst etwas von Logik gehört hatte, vorzüglich wichtig
geworden war - und da er nun endlich auf den höchsten Grad des Bestimmtseins von
allen Seiten und des vollkommen sich selbst Gleichseins stieß - so war es ihm
nach einigem Nachdenken, als ob er sich selbst entschwunden wäre - und sich erst
in der Reihe seiner Erinnerungen an das Vergangene wieder suchen müsste. - Er
fühlte, dass sich das Dasein nur an der Kette dieser ununterbrochenen
Erinnerungen festhielt. -
    Die wahre Existenz schien ihm nur auf das eigentliche Individuum begrenzt zu
sein - und außer einem ewig unveränderlichen, alles mit einem Blick umfassenden
Wesen konnte er sich kein wahres Individuum denken. - Am Ende seiner
Untersuchungen dünkte ihm sein eigenes Dasein eine bloße Täuschung, eine
abstrakte Idee - ein Zusammenfassen der Ähnlichkeiten, die jeder folgende Moment
in seinem Leben mit dem entschwundenen hatte. - Durch diese Begriffe von seiner
eignen Eingeschränkteit veredelten sich seine Begriffe von der Gottheit - er
fing an, nun in diesem großen Begriffe sein eigenes Dasein zu fühlen, das ihm
ohnedem unter den Händen zu verschwinden, ohne Zweck, abgerissen und zerstückt
zu sein schien. - -
    Aus diesen Reflexionen bildete sich der erste schriftliche Aufsatz, den er
entwarf, und dem er die Form eines Briefes an seinen Freund gab, mit welchem er
sich über diese Materie oft zu unterreden pflegte, und der ihn wenigstens immer
zu verstehen schien.
    dabei dauerten seine Kopfschmerzen immer fort - allein er gewöhnte sich
zuletzt so daran, dass ihm sein Zustand ordentlich gefährlich oder unnatürlich
vorkam, wenn er einen Tag einmal keine Kopfschmerzen hatte. -
    Seine Zusammenkünfte mit Philipp Reisern wurden nun immer häufiger - und er
erhielt unvermuteterweise zu diesem noch einen Freund; dies war der Sohn des
Kantors, namens Winter, einer seiner Mitschüler, gegen dessen Miene und
Gesichtsbildung er fast immer eine Art von Antipathie gehegt und sich zugleich
von ihm verachtet geglaubt hatte. -
    Dieser wusste von seinem Vater, dass Anton Reiser einmal Verse gemacht hatte,
und weil er nun selbst für jemanden ein Gedicht auf einen Geburtstag zu machen
versprochen hatte, so suchte er Reisern auf und bat ihn um die Verfertigung
dieses Gedichts, das er selbst auszuarbeiten nicht Lust oder Zeit hatte. - Dies
war für Reisern die erste Veranlassung, seine ganz vernachlässigte Poesie wieder
hervorzusuchen. - Das kleine Gedicht gelang ihm nicht übel. - Winter besuchte
ihn von
