 er sich nicht enthalten, sich
immer an den Platz der zerstückten und in Stücken auf das Rad gewundenen
hingerichteten Missetäter zu stellen - und dachte dabei, was schon Salomo
gedacht hat: Der Mensch ist wie das Vieh; wie das Vieh stirbt, so stirbt er
auch. -
    Wenn er von dieser Zeit an ein Tier schlachten sah, so hielt er sich immer
in Gedanken damit zusammen - und da er es bei dem Schlächter auch so oft zu
sehen Gelegenheit hatte, so ging eine ganze Zeitlang sein bloßes Denken dahin -
den Unterschied zwischen sich und einem solchen Tier, das geschlachtet wird,
auszumitteln. - Er stand oft stundenlang und sah so ein Kalb mit Kopf, Augen,
Ohren, Mund und Nase an; und lehnte sich, wie er es bei fremden Menschen machte,
so dicht wie möglich an dasselbe an, oft mit dem törichten Wahn, ob es ihm nicht
vielleicht möglich würde, sich nach und nach in das Wesen eines solchen Tieres
hineinzudenken - es lag ihm alles daran, den Unterschied zwischen sich und dem
Tiere zu wissen - und zuweilen vergaß er sich bei dem anhaltenden Betrachten
desselben so sehr, dass er wirklich glaubte, auf einen Augenblick die Art des
Daseins eines solchen Wesens empfunden zu haben. - Kurz, wie ihm sein würde,
wenn er z.B. ein Hund, der unter Menschen lebt, oder ein anderes Tier wäre - das
beschäftigte von Kindheit auf schon oft seine Gedanken. - Und da er sich nun den
Unterschied zwischen Körper und Geist gedacht hatte, so war ihm nichts
wichtiger, als zugleich irgendeinen wesentlichen Unterschied zwischen sich und
dem Tiere aufzufinden, weil er sich sonst nicht überreden konnte, dass das Tier,
welches ihm in seinem Körperbau so ähnlich war, nicht ebenso wie er einen Geist
haben sollte. -
    Und wo blieb nun der Geist nach der Zerstörung und Zerstückelung des
Körpers? - Alle die Gedanken von so viel tausend Menschen, die vorher durch die
Scheidewand des Körpers bei einem jeden voneinander abgesondert waren und nur
durch die Bewegung einiger Teile dieser Scheidewand einander wieder mitgeteilt
wurden, schienen ihm nach dem Tode der Menschen in eins zusammenzufliessen - da
war nichts mehr, das sie absonderte und voneinander trennte - er dachte sich den
übrig gebliebenen und in der Luft herumfliegenden Verstand eines Menschen, der
bald in seiner Vorstellungskraft zerflatterte. -
    Und dann schien ihm aus der ungeheuren Menschenmasse wieder eine so
ungeheure unförmliche Seelenmasse zu entstehen wo er immer nicht einsah, warum
gerade so viel und nicht mehr und nicht weniger da wären, und weil die Zahl ins
Unendliche fortzugehen schien, das Einzelne endlich fast so unbedeutend wie
nichts wurde.
    Diese Unbedeutsamkeit, dies Verlieren unter der Menge war es vorzüglich, was
ihm oft sein Dasein lästig
