 ihm erkannten Pflicht, seinem Freunde Reiteim das Leben zu versüßen, nicht auch, ihm selbst wohlbewusst, seine eigene Gemächlichkeit auf die Veränderung seines Entschlusses einen Einfluss gehabt habe. Es muss wohl überhaupt mit der Anwendung des so vortrefflichen neuen reinen Prinzips der Sittlichkeit eine eigene Bewandtnis haben. Denn die betrübten Beispiele sind da, dass selbst junge Dozenten, bei denen doch gewöhnlich die kritische Philosophie am brünstigsten ist, sehr geneigt sein würden, wider dies sittliche Prinzip zu handeln. Jeder von ihnen würde gern eine kleine Universität, wo er vegitiert, und den kleinen Hörsaal, wo er kaum sechs Zuhörern die Kategorien einkäuen kann, mit großen Universitäten wie Leipzig, Halle, Jena oder Göttingen vertauschen, bloß aus der ganz unmoralischen Ursache, weil ihm da tausend Taler Gehalt und großer Beifall versprochen würde. Ja es ist zu befürchten, selbst einem altern kritischen Philosophen könne ein Hofratstitel wohl zur Bestimmung seines Willens bei einer solchen Ortsveränderung dienen; ob man gleich vermuten sollte, ein Philosoph würde den Besitz eines solchen Titels weder für Glückseligkeit, noch die Maxime, ihn besitzen zu wollen, für ein allgemeines Gesetz aller denkenden Wesen erkennen. Um so mehr mag denn unser dicker Mann entschuldigt sein, wenn er, gleich größeren Philosophen, unbeschadet des reinen Prinzips der Sittlichkeit und des unwiderleglichen kategorischen Imperativs zu seiner Bequemlichkeit inkonsequent handelte. Er sah die Ungemächlichkeit der medizinischen Praxis täglich allzu deutlich vor Augen: er stellte sich die philosophische Ruhe, in der er nun leben würde, sehr reizend vor; und so blieb der kategorische Imperativ, wo er gemeiniglich bleibt, in der Studierstube und auf dem Katheder.
Anselm machte nun alle nötigen Anstalten zur gänzlichen Veränderung seines Aufenthalts und seiner Reise. Es waren dabei noch allerlei Geschäfte zu verrichten, die ihm anfänglich nicht beifielen. Dahin gehörte die Einkassierung verschiedener Schulden, die er aus seiner medizinischen Praxis noch zu fordern hatte, ohne welche es schwer gewesen sein würde, die etwas weite Reise zu bestreiten. Der ökonomische Leser möchte vielleicht fragen, wo denn die zweitausend Taler geblieben wären, welche unser dicker Mann aus seinem Schiffbruche in Vaals noch gerettet hatte? Hierauf dient zur Antwort, dass unser dicker Mann ein großer Liebhaber von den Dingen war, welche das Modejournal mit dem eleganten Worte Nippes bezeichnet, und wovon es seinen Lesern und Leserinnen in den kleinen Städten (denn in den großen Städten kennt man die Nippes, ehe das Modejournal davon redet) monatlich so freundschaftliche Anweisung erteilt, überflüssiges Geld dafür auszugeben. Wir haben kein neudeutsches Wort für diese französische Benennung, welches doch sehr nötig scheint, da die Sache zum größeren Glanze vieler sonst ganz altväterischen deutschen Familien immer allgemeiner zu werden anfängt. Es wäre also der berühmte Herr Kampe zu ersuchen, dafür ein neues Wort zu
