, dem Senat ungesäumt eine schriftliche Vorstellung zu tun, wofern
die Latonenpriesterschaft geneigt ist, gemeine Sache mit uns zu machen.
    »Von Herzen gerne, sagte Stilbon - ich will die Vorstellung selbst
aufsetzen; ich will ihnen dartun«
    Vor der Hand, unterbrach ihn der Nomophylax, kann es an einem kurzen
Promemoria, welches ich bereits, sub spe rati et grati, aufgesetzt habe, genug
sein. Wir müssen eine so gelehrte Feder wie die Ihrige auf den letzten Notfall
aufsparen.
    Der Oberpriester ließ sich zwar berichten; setzte sich aber vor, noch in
dieser Nacht an einem kleinen Tractätchen zu arbeiten, worin er sein System über
die Latonenfrösche in ein neues Licht setzen, und auf eine noch feinere Art, als
es in seinem Werke von den Altertümern des Latonentempels geschehen war, allen
Einwendungen zuvorkommen wollte, welche der Philosoph Korax dagegen machen
könnte. Vorgesehene Pfeile schaden desto weniger, sagte er zu sich selbst. Ich
will die Sache so klar und deutlich hinlegen, dass auch die Einfältigsten
überzeugt werden sollen. Es müsste doch wahrlich nicht mit rechten Dingen
zugehen, wenn die Wahrheit ihre natürliche Macht über den Verstand der Menschen
nur gerade in diesem Falle verloren haben sollte!
 
                               Siebentes Kapitel
                     Auszüge aus dem Gutachten der Akademie
  Ein Wort über die Absichten, welche Korax dabei gehabt, mit einer Apologie,
            woran Stilbon und Korax gleichviel Anteil nehmen können
Inzwischen hatte, während aller dieser Bewegungen unter der Minorität des Senats
und unter den Latonenpriestern, die Akademie eine Weisung bekommen, ihr
Gutachten, »durch was für diensame Mittel der übermäßigen Froschmenge (den
Gerechtsamen der Latona unbeschadet) aufs schleunigste gesteuert werden könnte«,
binnen sieben Tagen an den Senat abzugeben.
    Die Akademie ermangelte nicht, sich den nächstfolgenden Morgen zu
versammeln. Da die Gegenfröschler zur Zeit den größten Teil derselben
ausmachten: so wurde die Ausfertigung des Gutachtens dem Philosophen Korax
aufgetragen; jedoch von Seiten des Präsidenten mit der ausdrücklichen
Erinnerung: dass er sich aufs sorgfältigste hüten möchte, die Akademie in keine
böse Händel mit der Latonenpriesterschaft zu verwickeln.
    Korax versprach, dass er alle seine Weisheit aufbieten wolle, die Wahrheit,
wo möglich, auf eine unanstössige Art zu sagen. Denn zum Unmöglichen, setzte er
hinzu, ist, wie meine Hochgeehrten Herren wissen, niemand in keinem Falle
verbunden.
    Darin haben Sie recht, versetzte der Präsident: meine Meinung ging auch bloß
dahin, dass Sie sich möglichst in Acht nehmen sollten. Denn der Wahrheit darf die
Akademie freilich - so viel möglich - nichts vergeben.
    Das ists was ich immer sage, erwiderte Korax.
    »In was für eine seltsame Lage doch ein ehrlicher Mann kommen kann, sobald
er das Unglück hat, ein Abderit zu sein!« sagte Korax zu sich selbst, da
