 Liebhaber haben, alle
Gattungen derselben mit wenig Worten schildere, damit Sie hieraus beurteilen
können, welche Partei Sie zu erwählen haben, und welcher Stand sich für Sie am
besten schickt. Ich habe Ihnen mehr als einmal gesagt, da Sie noch meinem
Unterrichte anvertraut waren, dass es, nach den Sprichwort, verschiedene Arten
von Krebsen gibt, und so ist es auch mit den Gelehrten, es gibt unter ihnen
verschiedene Gattungen, welches Sie auch daher schlüssen können, wenn Sie nur
einige Gelehrte in ihren Verrichtungen gegen einander halten. Zum Exempel, Ihr
Herr Vater ist ein Gelehrter und kann keine Processe vertragen, der
Gerichtshalter ist ein Gelehrter und nährt sich von Processen, kann aber nicht
predigen. Ich bin ein Gelehrter und kann nur, vermöge meiner Wissenschaft, den
Verstand bessern, aber nicht die Gesundheit des Körpers, der Herr Doctor aus H.
kann die Gesundheit des Körpers verbessern, aber nicht den Verstand, und ist
doch gleichwohl auch ein Gelehrter. Sie sollen demnach wissen, dass es viererlei
Gattungen von Gelehrten gibt, die vornehmsten sind die Theologen, oder die
Geistlichen, gegen diese habe ich Ihnen jederzeit Hochachtung eingepräget. Sie
geben auf Akademien oben an, wie denn auch auf dem Lande der Pfarrer der
vornehmste Mann im Dorfe ist, wenn kein Edelmann oder ein Amtmann daselbst
wohnet. Die Geistlichen sind weise, verständige, gelehrte Männer, die sich zu
der Wissenschaft schicken, der sie sich widmen. Sie tun Niemand etwas zuwider,
sondern haben mit jedermann Friede und bücken sich vor dem ärmsten eben so tief
als vor Reichen und Vornehmen. Gegen das Frauenzimmer sind sie selten
unempfindlich, sie verehren das schöne Geschlecht vielmehr aufs äußerste. Wenn
sie sich verheiraten, so haben ihre Gebieterinnen bei ihnen die beste Zeit, ob
sie gleich allen Mannspersonen bei der Trauung die Erlaubnis geben, über ihre
Weiber zu herrschen, so begeben sie sich dieses Vorrechtes gemeiniglich
freiwillig, und beobachten gegen sie einen genauen Gehorsam. Daher kommt es, dass
die Weiber der Geistlichen, weil es ihnen so wohl geht, allezeit hübsch bleiben
und niemals vor der Zeit alt werden. Die Ehen der Geistlichen sind auch
ordentlich sehr gesegnet und dauern gemeiniglich lange. Überhaupt ist es eine
allgemeine Anmerkung, dass man ein Frauenzimmer, das einen Geistlichen
geheiratet hat, niemals hat klagen hören. Die Rechtsgelehrten sind von ganz
anderm Schlage. Anstatt dass alle übrigen Wissenschaften sich mit Aufsuchung der
Wahrheit beschäftigen, so bemühen sich diese die Wahrheit zu unterdrucken, sie
sind derselben so gram wie die Fischer den hellen und klaren Wassern, diese
machen solche mit Fleiß trübe und jene suchen mit Fleiß die Wahrheit zu
verstecken. Alle übrigen Wissenschaften beschäftigen sich ferner mit dem Besten
der menschlichen Gesellschaft, um solche zu erhalten und zu befestigen
