 Verkehr der
Portierloge mit dem Vestibül, denn an zwei großen Schiebefenstern saßen zwei
Unterportiers und waren unaufhörlich damit beschäftigt, Auskünfte in den
verschiedensten Angelegenheiten zu erteilen. Das waren geradezu überbürdete
Leute, und Karl hätte behaupten wollen, dass der Oberportier, wie er ihn kannte,
sich in seiner Laufbahn um diese Posten herumgewunden hatte. Diese zwei
Auskunftserteiler hatten - von außen konnte man sich das nicht richtig
vorstellen - in der Öffnung des Fensters immer zumindest zehn fragende Gesichter
vor sich. Unter diesen zehn Fragern, die immerfort wechselten, war oft ein
Durcheinander von Sprachen, als sei jeder einzelne von einem anderen Lande
abgesandt. Immer fragten einige gleichzeitig, immer redeten außerdem einzelne
untereinander. Die meisten wollten etwas aus der Portierloge holen oder etwas
dort abgeben, so sah man immer auch ungeduldig fuchtelnde Hände aus dem Gedränge
ragen. Einmal hatte einer ein Begehren wegen irgendeiner Zeitung, die sich
unversehens von der Höhe aus entfaltete und für einen Augenblick alle Gesichter
verhüllte. All diesem mussten nun die zwei Unterportiers standhalten. Blosses
Reden hätte für ihre Aufgabe nicht genügt, sie plapperten, besonders der eine,
ein düsterer Mann mit einem das ganze Gesicht umgebenden dunklen Bart, gab die
Auskunft ohne die geringste Unterbrechung. Er sah weder auf die Tischplatte, wo
er fortwährend Handreichungen auszuführen hatte, noch auf das Gesicht dieses
oder jenes Fragers, sondern ausschließlich starr vor sich, offenbar um seine
Kräfte zu sparen und zu sammeln. Übrigens störte wohl sein Bart ein wenig die
Verständlichkeit seiner Rede, und Karl konnte in dem Weilchen, während dessen er
bei ihm stehenblieb, sehr wenig von dem Gesagten auffassen, wenn es auch
möglicherweise trotz dem englischen Beiklang gerade fremde Sprachen waren, die
er gebrauchen musste. Außerdem beirrte es, dass sich eine Auskunft so knapp an die
andere anschloss und in sie überging, so dass oft noch ein Frager mit gespanntem
Gesicht zuhorchte, da er glaubte, es gehe noch um seine Sache, um erst nach
einem Weilchen zu merken, dass er schon erledigt war. Gewöhnen musste man sich
auch daran, dass der Unterportier niemals bat, eine Frage zu wiederholen, selbst
wenn sie im ganzen verständlich und nur ein wenig undeutlich gestellt war, ein
kaum merkliches Kopfschütteln verriet dann, dass er nicht die Absicht habe, diese
Frage zu beantworten, und es war Sache des Fragestellers, seinen eigenen Fehler
zu erkennen und die Frage besser zu formulieren. Besonders damit verbrachten
manche Leute sehr lange Zeit vor dem Schalter. Zur Unterstützung der
Unterportiers war jedem ein Laufbursche beigegeben, der in gestrecktem Lauf von
einem Bücherregal und aus verschiedenen Kasten alles herbeizubringen hatte, was
der Unterportier gerade benötigte. Das waren die bestbezahlten, wenn auch
anstrengendsten Posten, die es im Hotel für ganz junge Leute gab, in
