 zu sehr mit Arbeit überhäuft, sein Zimmer ist mir so
geschildert worden, dass alle Wände mit Säulen von großen, aufeinandergestapelten
Aktenbündeln verdeckt sind, es sind dies nur die Akten, die Sordini gerade in
Arbeit hat, und da immerfort den Bündeln Akten entnommen und eingefügt werden
und alles in großer Eile geschieht, stürzen diese Säulen immerfort zusammen, und
gerade dieses fortwährende, kurz aufeinanderfolgende Krachen ist für Sordinis
Arbeitszimmer bezeichnend geworden. Nun ja, Sordini ist ein Arbeiter, und dem
kleinsten Fall widmet er die gleiche Sorgfalt wie dem größten.«
    »Sie nennen, Herr Vorsteher«, sagte K., »meinen Fall immer einen der
kleinsten, und doch hat er viele Beamte sehr beschäftigt, und wenn er vielleicht
auch anfangs sehr klein war, so ist er doch durch den Eifer von Beamten von
Herrn Sordinis Art zu einem großen Fall geworden. Leider, und sehr gegen meinen
Willen, denn mein Ehrgeiz geht nicht dahin, große, mich betreffende Aktensäulen
entstehen und zusammenkrachen zu lassen, sondern als kleiner Landvermesser bei
einem kleinen Zeichentisch ruhig zu arbeiten.«
    »Nein«, sagte der Vorsteher, »es ist kein großer Fall. In dieser Hinsicht
haben Sie keinen Grund zur Klage, es ist einer der kleinsten Fälle unter den
kleinen. Der Umfang der Arbeit bestimmt nicht den Rang des Falles, Sie sind noch
weit entfernt vom Verständnis für die Behörde, wenn Sie das glauben. Aber selbst
wenn es auf den Umfang der Arbeit ankäme, wäre Ihr Fall einer der geringsten,
die gewöhnlichen Fälle, also jene ohne sogenannte Fehler, geben noch viel mehr
und freilich auch viel ergiebigere Arbeit. Übrigens wissen Sie ja noch gar
nichts von der eigentlichen Arbeit, die Ihr Fall verursachte, von der will ich
ja jetzt erzählen. Zunächst ließ mich nun Sordini aus dem Spiel, aber seine
Beamten kamen, täglich fanden protokollarische Verhöre angesehener
Gemeindemitglieder im Herrenhof statt. Die meisten hielten zu mir, nur einige
wurden stutzig; die Frage der Landvermessung geht einem Bauern nahe, sie
witterten irgendwelche geheime Verabredungen und Ungerechtigkeiten, fanden
überdies einen Führer, und Sordini musste aus ihren Angaben die Überzeugung
gewinnen, dass, wenn ich die Frage im Gemeinderat vorgebracht hätte, nicht alle
gegen die Berufung eines Landvermessers gewesen wären. So wurde eine
Selbstverständlichkeit - dass nämlich kein Landvermesser nötig ist - immerhin
zumindest fragwürdig gemacht. Besonders zeichnete sich hierbei ein gewisser
Brunswick aus - Sie kennen ihn wohl nicht -, er ist vielleicht nicht schlecht,
aber dumm und phantastisch, er ist ein Schwager von Lasemann.«
    »Vom Gerbermeister?« fragte K. und beschrieb den Vollbärtigen, den er bei
Lasemann gesehen hatte.
    »Ja, das ist er«, sagte der Vorsteher.
    »Ich kenne auch
