 Klamm
sprechen?« - »Über Frieda natürlich«, sagte K.
    »Über Frieda?« fragte die Wirtin verständnislos und wandte sich an Frieda.
»Hörst du, Frieda, über dich will er, er, mit Klamm, mit Klamm sprechen.« .
»Ach«, sagte K., »Sie sind, Frau Wirtin, eine so kluge, achtungeinflössende Frau,
und doch erschreckt Sie jede Kleinigkeit. Nun also, ich will über Frieda mit ihm
sprechen, das ist doch nicht so sehr ungeheuerlich als vielmehr
selbstverständlich. Denn Sie irren gewiss auch, wenn Sie glauben, dass Frieda von
dem Augenblick an, wo ich auftrat, für Klamm bedeutungslos geworden ist. Sie
unterschätzen ihn, wenn Sie das glauben. Ich fühle gut, dass es anmassend von mir
ist, Sie in dieser Hinsicht belehren zu wollen, aber ich muss es doch tun. Durch
mich kann in Klamms Beziehung zu Frieda nichts geändert worden sein. Entweder
bestand keine wesentliche Beziehung - das sagen eigentlich diejenigen, welche
Frieda den Ehrennamen Geliebte nehmen -, nun, dann besteht sie auch heute nicht;
oder aber sie bestand, wie könnte sie dann durch mich, wie Sie richtig sagten,
ein Nichts in Klamms Augen, wie könnte sie dann durch mich gestört sein. Solche
Dinge glaubt man im ersten Augenblick des Schreckens, aber schon die kleinste
Überlegung muss das richtigstellen. Lassen wir übrigens doch Frieda ihre Meinung
hierzu sagen.«
    Mit in die Ferne schweifendem Blick, die Wange an K.s Brust, sagte Frieda:
»Es ist gewiss so, wie Mütterchen sagt: Klamm will nichts mehr von mir wissen.
Aber freilich nicht deshalb, weil du, Liebling, kamst, nichts Derartiges hätte
ihn erschüttern können. Wohl aber, glaube ich, ist es sein Werk, dass wir uns
dort unter dem Pult zusammengefunden haben; gesegnet, nicht verflucht sei die
Stunde.« - »Wenn es so ist«, sagte K. langsam, denn süß waren Friedas Worte, er
schloss ein paar Sekunden lang die Augen, um sich von den Worten durchdringen zu
lassen, »wenn es so ist, ist noch weniger Grund, sich vor einer Aussprache mit
Klamm zu fürchten.«
    »Wahrhaftig«, sagte die Wirtin und sah K. von hoch herab an, »Sie erinnern
mich manchmal an meinen Mann, so trotzig und kindlich wie er sind Sie auch. Sie
sind ein paar Tage im Ort, und schon wollen Sie alles besser kennen als die
Eingeborenen, besser als ich alte Frau und als Frieda, die im Herrenhof so viel
gesehen und gehört hat. Ich leugne nicht, dass es möglich ist, einmal auch etwas
ganz gegen die Vorschriften und
