 niemand
hier das Leiden verstehe; in einem solchen vernachlässigten Falle kann oft eine
schwere Verschlimmerung eines an sich leichten Leidens eintreten. Nun habe er,
K., einige medizinische Kenntnisse und, was noch mehr wert sei, Erfahrung in der
Krankenbehandlung. Manches, was Ärzten nicht gelungen sei, sei ihm geglückt. Zu
Hause habe man ihn wegen seiner Heilwirkung immer »das bittere Kraut« genannt.
Jedenfalls würde er gern Hansens Mutter ansehen und mit ihr sprechen. Vielleicht
könnte er einen guten Rat geben, schon um Hansens willen täte er es gern.
Hansens Augen leuchteten bei diesem Angebot zuerst auf, verführten K. dazu,
dringlicher zu werden, aber das Ergebnis war unbefriedigend, denn Hans sagte auf
verschiedene Fragen, und war dabei nicht einmal sehr traurig, zur Mutter dürfe
kein fremder Besuch kommen, weil sie sehr schonungsbedürftig sei; obwohl doch K.
damals kaum mit ihr gesprochen habe, sei sie nachher einige Tage im Bett
gelegen, was freilich öfters geschehe. Der Vater habe sich damals aber über K.
sehr geärgert, und er würde gewiss niemals erlauben, dass K. zur Mutter komme; ja,
er habe damals K. aufsuchen wollen, um ihn wegen seines Benehmens zu strafen,
nur die Mutter habe ihn davon zurückgehalten. Vor allem aber wolle die Mutter
selbst im allgemeinen mit niemandem sprechen, und ihre Frage nach K. bedeutete
keine Ausnahme von der Regel, im Gegenteil, gerade gelegentlich seiner Erwähnung
hätte sie den Wunsch aussprechen können, ihn zu sehen, aber sie habe dies nicht
getan und damit deutlich ihren Willen geäußert. Sie wolle nur von K. hören, aber
mit ihm sprechen wolle sie nicht. Übrigens sei es gar keine eigentliche
Krankheit, woran sie leide, sie wisse sehr wohl die Ursache ihres Zustandes, und
manchmal deute sie sie auch an: Es sei wahrscheinlich die Luft hier, die sie
nicht vertrage; aber sie wolle doch auch wieder den Ort nicht verlassen, des
Vaters und der Kinder wegen, auch sei es schon besser, als es früher gewesen
war. Das war es etwa, was K. erfuhr, die Denkkraft Hansens steigerte sich
sichtlich, da er seine Mutter vor K. schützen sollte, vor K., dem er angeblich
hatte helfen wollen; ja, zu dem guten Zwecke, K. von der Mutter abzuhalten,
widersprach er in manchem sogar seinen eigenen früheren Aussagen, zum Beispiel
hinsichtlich der Krankheit. Trotzdem aber merkte K. auch jetzt, dass Hans ihm
noch immer gutgesinnt war, nur vergaß er über der Mutter alles andere; wen immer
man gegenüber der Mutter aufstellte, er kam gleich ins Unrecht, jetzt war es K.
gewesen, aber es konnte zum Beispiel auch der Vater sein
