 weg.« Der Advokat
hatte K.s Bemerkung, weil sie keine Entschuldigung war, unbeachtet gelassen und
sagte: »Ich werde Sie nächstens zu dieser späten Stunde nicht mehr vorlassen.«
»Das kommt meinem Anliegen entgegen«, sagte K. Der Advokat sah ihn fragend an.
»Setzen Sie sich«, sagte er. »Weil Sie es wünschen«, sagte K., zog einen Sessel
zum Nachttischchen und setzte sich. »Es schien mir, dass Sie die Tür abgesperrt
haben«, sagte der Advokat. »Ja«, sagte K., »es war Lenis wegen.« Er hatte nicht
die Absicht, irgend jemanden zu schonen. Aber der Advokat fragte: »War sie
wieder zudringlich?« »Zudringlich?« fragte K. »Ja«, sagte der Advokat, er lachte
dabei, bekam einen Hustenanfall und begann, nachdem dieser vergangen war, wieder
zu lachen. »Sie haben doch wohl ihre Zudringlichkeit schon bemerkt?«fragte er
und klopfte K. auf die Hand, die dieser zerstreut auf das Nachttischchen
gestützt hatte und die er jetzt rasch zurückzog. »Sie legen dem nicht viel
Bedeutung bei«, sagte der Advokat, als K. schwieg, »desto besser. Sonst hätte
ich mich vielleicht bei Ihnen entschuldigen müssen. Es ist eine Sonderbarkeit
Lenis, die ich ihr übrigens längst verziehen habe und von der ich auch nicht
reden würde, wenn Sie nicht eben jetzt die Tür abgesperrt hätten. Diese
Sonderbarkeit, Ihnen allerdings müsste ich sie wohl am wenigsten erklären, aber
Sie sehen mich so bestürzt an und deshalb tue ich es, diese Sonderbarkeit
besteht darin, dass Leni die meisten Angeklagten schön findet. Sie hängt sich an
alle, liebt alle, scheint allerdings auch von allen geliebt zu werden; um mich
zu unterhalten, erzählt sie mir dann, wenn ich es erlaube, manchmal davon. Ich
bin über das Ganze nicht so erstaunt, wie Sie es zu sein scheinen. Wenn man den
richtigen Blick dafür hat, findet man die Angeklagten wirklich oft schön. Das
allerdings ist eine merkwürdige, gewissermaßen naturwissenschaftliche
Erscheinung. Es tritt natürlich als Folge der Anklage nicht etwa eine deutliche,
genau zu bestimmende Veränderung des Aussehens ein. Es ist doch nicht wie bei
anderen Gerichtssachen, die meisten bleiben in ihrer gewöhnlichen Lebensweise
und werden, wenn sie einen guten Advokaten haben, der für sie sorgt, durch den
Prozess nicht behindert. Trotzdem sind diejenigen, welche darin Erfahrung haben,
imstande, aus der größten Menge die Angeklagten, Mann für Mann, zu erkennen.
Woran? werden Sie fragen. Meine Antwort wird Sie nicht befriedigen. Die
Angeklagten sind eben die Schönsten. Es kann nicht die Schuld sein, die
