 um sich
hochdeutsch auszuquetschen, da sei dann der Herr bis über die Ohren
kompromittiert.
    In Christians Miene zeigte sich nicht die leiseste Spur von Empörung oder
Ekel. Er schaute mit gesenkten Augen vor sich hin, als denke er darüber nach,
wie er möglichst sachlich erwidern könne. Dann sagte er: »Ihre versteckten
Drohungen schrecken mich ebensowenig wie die offenen. Wo man meinen Namen nennt
und unter welchen Umständen, gesprochen, geschrieben oder gedruckt, berührt mich
nicht im mindesten. Kompromittiert werden kann ich in gar keiner Weise. Niemand
hat durch seine Meinung oder durch sein persönliches Verhältnis Einfluss auf
mich, auch die nicht, die mir früher am nächsten gestanden sind. Es ist das also
der dritte Irrtum, den ich Ihnen rauben muss. Allem, was Sie vorgebracht haben,
fehlt die reale Unterlage, besonders Ihrer Anspielung auf meine Beziehung zu
Ruth Hofmann. Darüber ist keinem Menschen etwas bekannt, und ich habe mich zu
keinem Menschen darüber geäußert. Ruth hat es gewiss nicht getan. Mit welchem
Recht maßen Sie sich also ein Urteil an, und noch dazu ein so schimpfliches? Sie
ahnen gar nicht, wie weit es von der Wahrheit entfernt ist. Trotzdem wundert es
mich, dass Sie von ihm eine Wirkung erwarten, und dass Sie annehmen, eine so
falsche und inhaltlose Beschuldigung könnte mich treffen oder ängstigen. Aber
wollen Sie nicht lieber Platz nehmen? Sie stehen so feindselig da. Es ist gar
kein Anlass zu Feindseligkeit zwischen uns, ich wollte Ihnen das schon längst
sagen. Wenn Sie über etwas noch im unklaren sind, was mich oder Ihre verstorbene
Schwester angeht, will ich Ihnen mit Vergnügen Auskunft geben; dafür möchte ich
auch Sie bitten, mir ein paar Fragen zu beantworten. Setzen Sie sich doch.« Er
wies höflich auf einen Stuhl.
    Diese Worte, diese Ruhe, diese Höflichkeit verblüfften Niels Heinrich
außerordentlich. Er war auf ein Aufbrausen gefasst gewesen, auf zornige oder
stolze Zurückweisung; auf die übliche Gegendrohung, mit der ein unverhüllter
Erpressungsversuch wie der seine abgefertigt zu werden pflegt; auf Bestürzung,
auf Kleinmut schließlich; auf diese Höflichkeit war er nicht gefasst gewesen. Sie
war so grundverschieden von allem, was er im Verkehr mit Menschen erfahren
hatte, dass seine Augen eine Weile bloß rund stierten, als habe er einen
Unzurechnungsfähigen vor sich, dessen Gebaren halb lächerlich, halb
misstrauenerweckend war. Er griff nach dem Stuhl und setzte sich: angriffsbereit
und hämisch geduckt.
    »Der Herr redet wie 'n Linksanwalt,« spottete er; »der Herr könnte bei
Jericht sein Ilücke machen. Wat wolln Se mir denn fragen? Schießen Se man los.
Nur keene Bange nich. Und da sich der Herr einer so jebildeten Rede befleissigt,
kann ich
