 wäre ich Dichter,
ich müsste mich ebenfalls zu jenen zählen; denn ich bin meiner selber satt und
berausche mich gern. Und hier ist der Punkt: jener Heilungs- und
Ausscheidungsprozess ist mit einem ängstlich-süßen Rauschzustand verbunden, den
alle die, deren seelisches Gleichgewicht durch jenen ersten Krankheitsfall, oder
schon von Geburt an zerstört ist, sich immer wieder zu verschaffen suchen. Sie
wollen nicht mehr zur Besinnung und zu sich selber kommen, sie sind ihrer
Zerrissenheit müde und nehmen nun fortwährend Fremdkörper, eben jene Probleme
und Gefühle, in sich auf, durchtränken sie schmerzlich-wollüstig mit ihrem Blut
und scheiden sie mit dem gleichen ängstlich-süßen Rauschgenuss wieder aus, nur um
diesen zu genießen und wieder Raum für neue zu schaffen. Sie sind eben ihrer
selbst müde, sie wollen nicht zu ihrer zerrissenen Nacktheit zurück, sie wollen
nicht nüchtern sein und betrinken sich. Führen Sie von diesem Wort aus den
Vergleich durch, so haben Sie auch meine Würdigung der ganzen Sippschaft, deren
Mitglieder sich in ihrem Delirium für Hammernaturen und Schöpfer neuer Werte
ausgeben, während sie im Grunde arme Narkotiker sind. Ich negiere in den Grund
Ihre Wertung der Ausdrucksleistung, denn sie ist eine metaphysische Wertung!
Ebenso wie jene unbekannten Kräfte und Gründe transzendente Gespenster sind!
Metaphysische Ausdrucksgesetze! Transzendente Ausdrucksnotwendigkeiten! Ihre
Wertung ist ein Postulat, und in ihm sehe ich - den Schatten des toten Gottes!
Des Gottes, den ich mühsam in mir erwürgt habe, und dessen andere Schatten und
Verwesungsdünste als Ding an sich, als Substanz und als die definitiven
Wahrheiten mir noch immer den Horizont verdüstern. Ich will mir keinen neuen
Gegner schaffen in dem transzendenten Wert der künstlerischen Leistung! Das ist
der tiefe allerpersönlichste Grund, weswegen ich Ihre Deutung, die keine Deutung
sondern eine kategorische Setzung ist, und Ihre Wertung, die keine Wertung
sondern ein Postulat ist, ablehne. Ich will es Ihnen verraten, Sie schmuggeln
mir in die Notwendigkeit der Leistung eine höhere Kausalität ein, und haben wir
deren zwei, so haben wir eben keine! Wenn das gelten sollte, dass hier andere -
notwendigere, höhere, tiefere, göttlichere - Gesetze walten, so wäre damit eine
gottlose Wissenschaft unmöglich. Ich weiß wohl, leider weiß ich es zu wohl, wie
kläglich es mit dieser Wissenschaft, insbesondere mit ihrem Hauptorgan dem
Kausalitätsgesetz bestellt ist, aber sie hat doch das eine große Verdienst, dass
sie die Erscheinungen insgesamt ordnet und eindeutig ohne Zuhilfenahme
metaphysischen Spuks beschreibt. Stellen wir aber die Persönlichkeit außer
dieser Reihe und geben ihr andere Gesetze und ihrer Leistung einen anderen Wert
als den natürlichen aus dem kausalen Zweck bestimmbaren, so tappen wir wieder im
dicksten metaphysischen Nebel. Bleibt mir mit euren Vergöttlichungen vom Leibe!
Putzt mir eure Eintagswerke
