 Umweg nötig? Kann
nicht für ihn die einfache Erkenntnis, wenn sie in ihrem Ausdruck - und nicht
nur in ihrem Ausdruck - auch immer bildlich bleibt, genügen?
    Und bedarf er des Symbols doch, so kann ich höchstens ein zufälliges
Zusammentreffen beider Richtungen, des ruhesuchenden Willens und symbolsuchenden
Intellekts, in jenem einen Wesen annehmen - ein zufälliges Zusammentreffen im
Knotenpunkt des Lebens!
    Aber zufällig - das heißt hier und in meinem Mund soviel wie eine Flucht zum
Glauben und Wunder. Hier steckt der Fehler. Die Möglichkeit der Verknüpfung ist
da, aber meine Deutung dieser Möglichkeit ist - falsch.
    Und der Fehler steckt in der Trennung von Körper und Geist, von Wille und
Intellekt, wie er ebenso steckt in jenem Knoten, den ich mir geknüpft haben
wollte aus Denken und Gefühl - ich brauche ihn garnicht so gewaltsam mit Pulver
und Blei zu durchhauen - er steckt in meiner Trennung von Ich und Welt, er
steckt in meinem Rausch und meinem Bedürfnis nach Rausch, er steckt in meiner
Müdigkeit, die doch zugleich etwas Aktives, heftig Abwehrendes ist, er steckt in
meiner Schwäche, die doch auch meine Stärke ist, in meiner Krankheit, die doch
zugleich meine Gesundheit ist, in meinem Pessimismus, der andererseits
Optimismus ist, er steckt in meiner ganzen Haarspalterei der Liebe, in dem
Sich-selbst-Aufgeben und -Auflösen, das doch gerade so gut ein gewaltsames
Zusammenraffen und Konzentrieren ist, in meinem Wunsch geliebt zu sein, der aber
seinerseits keine Liebe sein will, in meiner Liebe, die keine sinnliche sein
will, aber doch Liebe ist zu der mich sinnlich Liebenden, er steckt in allen
Begriffen, mit denen ich bisher operierte, - denn er steckt in der Sprache
selbst, die willkürlich trennt und Grenzen setzt, wo alles grenzenlos ist und
fließt, die die Dinge meistern will, während sie von den Dingen getrieben wird,
die Dinge haben eben keine Grenzen, es ist alles Bedingteit, Verkettung und
Strom -: das Denken ist Stückwerk und Dunst und ewige Gefahr, das Wort ist Trug
und die Schrift ist Gift, der Satz ist eine Schlange und giftige Verführerin und
das Buch ein Knäuel von ihnen. Bild und Körper, das ist's, und die goldne Ruh.
    Und so ist es gut, dass ich nicht nötig habe - weil es zwecklos ist -, über
die Möglichkeit dieser Verknüpfung und die Tatsächlichkeit des Rausches weiter
nachzugrübeln. Zwei Augen blau wie die See, die Locken blond wie Gold und ein
Gesichtchen geschnitten zart wie das einer Gemme, das sei das Ziel, der Wunsch,
der Trieb, das Glück, die Ruh - der Frieden!
    Über den verschneiten Feldern schwindet der Tag und hinter dem letzten
Hügel, der da aufragt
