 meine Personalien anders als die ihrigen
anzugeben?« seufzte Susanne.
    »Warum wollen Sie denn das durchaus? Sonst im allgemeinen sind die Leute
froh, wenn man nichts Besonderes an ihnen findet. Wenn ich dann unter besonderen
Merkmalen etwas hinschriebe, das wäre schon wie ein Wink an die Polizeibehörden,
dass man auf Sie aufpassen solle.«
    Susanne besann sich. »Die besonderen Merkmale würden ja auch wohl innerlich
am deutlichsten zu finden sein,« sagte sie dann. »Mir käme es eben darauf an, in
Berlin gleich in die richtigen Hände geleitet zu werden.«
    Das machte den Polizeimann stutzig. »Fahren Sie denn mittellos? Dann dürfen
wir Sie überhaupt jetzt nicht fahren lassen.«
    »Nein, ich habe dreitausend Mark in der Tasche.«
    Die werden bald verjubelt sein, dachte der Mann und sah mit bedenklicher
Grimasse auf den Passvermerk: Zweck der Reise. Er wollte die Hübsche gern nach
Berlin gelangen lassen. Wenn er nach dem Zweck der Reise frug, so erhielt er
möglicherweise eine unkluge Antwort. Und er schrieb ohne weitere Nachfrage an
diese Stelle »Kunststudien«.
    Susanne sah ihm über die Schulter ins Papier. Ihr Herz klopfte stark, und
als der Mann nach ihr herum sah, errötete sie. »Zweck der Reise?« frug er sie
jetzt.
    »Kunststudien,« erwiderte Susanne mit leiser Heiterkeit.
    »Und Ihr Käterchen?«
    »Begleitung.«
    »Jetzt können Sie zufrieden sein. Und nun merkt auch alle Welt, dass es sich
nicht um das Fräulein dreht, sondern um die Dame. Sie sind die Künstlerin, und
die andere ist die Geige.«
    Ein allgemeines Gelächter entstand im Zimmer. Susanne grinste, dass die Ecken
der zarten Bienenlippen an die Ohren hinumtraten. Unerwarteterweise wehrte sich
Käterchen dagegen. »Wie man's ansieht,« knurrte sie.
    Die Polizeibeamten lachten und waren froh, dass ihr trübseliger Vormittag,
den sie absassen, von diesem Stern und seinem Trabanten durchschnitten war.
Susanne selbst war ihre Reise nicht so recht geheuer, wenn sie auch jetzt
mitlachte. Die Frage nach dem Zweck der Reise hatte in ihr neue Bangigkeit um
die Zukunft hervorgerufen.
    Sie hätte keinen Zweck angeben können. Ihre Reise war ein Sprung ins Dunkle.
Fortan wusste sie wenigstens, dass sie als Kunststudierende nach Berlin reiste. Um
die Kunst hatte sie sich bisher gar nicht gekümmert. Die Idee war vielleicht gar
nicht so dumm. Es war eine wirkliche Idee.
    Während sie mit Käterchen die Polizeistube verließ, blickten ihre Kamelaugen
in die dämmerigen Steinhallen des gehirnlosen Gebäudes. Man fühlte, wenn man es
durchschritt, nichts von der darin geleisteten Arbeit, und doch zitterte ganz
Brüssel vor seiner Macht. Ihre Schritte waren elastisch,
