 Unwetters abwarten wollten.
    »Dort schwimmt ein Brautbukett«, sagte plötzlich Charousek und deutete auf
einen Strauss aus welken Myrten, der in dem Schmutzwasser vorbeigetrieben kam.
    Darüber lachte jemand hinter uns laut auf.
    Als ich mich umdrehte, sah ich, dass es ein alter, vornehm gekleideter Herr
mit weißem Haar und einem aufgedunsenen, krötenartigen Gesicht gewesen war.
    Charousek blickte ebenfalls einen Augenblick zurück und brummte etwas vor
sich hin.
    Unangenehmes ging von dem Alten aus; - ich wandte meine Aufmerksamkeit von
ihm ab und musterte die missfarbigen Häuser, die da vor meinen Augen wie
verdrossene alte Tiere im Regen nebeneinander hockten.
    Wie unheimlich und verkommen sie alle aussahen!
    Ohne Überlegung hingebaut standen sie da, wie Unkraut, das aus dem Boden
dringt.
    An eine niedrige, gelbe Steinmauer, den einzigen standhaltenden Überrest
eines früheren, langgestreckten Gebäudes, hat man sie angelehnt - vor zwei, drei
Jahrhunderten, wie es eben kam, ohne Rücksicht auf die übrigen zu nehmen. Dort
ein halbes, schiefwinkliges Haus mit zurückspringender Stirn; - ein andres
daneben: vorstehend wie ein Eckzahn.
    Unter dem trüben Himmel sahen sie aus, als lägen sie im Schlaf, und man
spülte nichts von dem tückischen, feindseligen Leben, das zuweilen von ihnen
ausstrahlt, wenn der Nebel der Herbstabende in den Gassen liegt und ihr leises,
kaum merkliches Mienenspiel verbergen hilft.
    In dem Menschenalter, das ich nun hier wohne, hat sich der Eindruck in mir
festgesetzt, den ich nicht loswerden kann, als ob es gewisse Stunden des Nachts
und im frühesten Morgengrauen für sie gäbe, wo sie erregt eine lautlose,
geheimnisvolle Beratung pflegen. Und manchmal fährt da ein schwaches Beben durch
ihre Mauern, das sich nicht erklären lässt, Geräusche laufen über ihre Dächer und
fallen in den Regenrinnen nieder, - und wir nehmen sie mit stumpfen Sinnen
achtlos hin, ohne nach ihrer Ursache zu forschen.
    Oft träumte mir, ich hätte diese Häuser belauscht in ihrem spukhaften
Treiben und mit angstvollem Staunen erfahren, dass sie die heimlichen,
eigentlichen Herren der Gasse seien, sich ihres Lebens und Fühlens entäussern und
es wieder an sich ziehen können, - es tagsüber den Bewohnern, die hier hausen,
borgen, um es in kommender Nacht mit Wucherzinsen wieder zurückzufordern.
    Und lasse ich die seltsamen Menschen, die in ihnen wohnen wie Schemen, wie
Wesen - nicht von Müttern geboren, - die in ihrem Denken und Tun wie aus Stücken
wahllos zusammengefügt scheinen, im Geiste an mir vorüberziehen, so bin ich mehr
denn je geneigt zu glauben, dass solche Träume in sich dunkle Wahrheiten bergen,
die mir im Wachsein nur noch wie Eindrücke von farbigen Märchen in der Seele
fortglimmen.
    Dann wacht in mir heimlich die Sage von dem gespenstischen Golem,
