 aber noch gar nicht weit weg sein,« sagte Tschun. »Denken
die Ta-jens denn nicht daran, ihr die vielen Soldaten nachzuschicken, um sie
festzuhalten und den Kaiser zurückzubringen?«
    »Aber Tschun,« sagte Kuang yin, »hast Du denn die Art der Ta-jens schon
völlig vergessen? Ehe die einen gemeinsamen Entschluss fassen! ... Das kennt man
doch ... in der höchsten eigenen Lebensgefahr allenfalls ... und eigentlich auch
dann kaum.«
    »Warum tut es dann nicht ein einzelner mit seinen Truppen?« fragte Tschun.
    »Dazu hat sich einer der fremden Offiziere auch schon erboten,« antwortete
Kuang yin. »Aber sein Ta-jen soll ihm geantwortet haben, für diesen Fall besäße
er von zu Hause keine Instruktionen, und es sei eine zu arge Verantwortung, so
etwas allein zu unternehmen. - Zu alledem kommt aber, glaube ich, noch etwas
anderes,« setzte Kuang yin dann hinzu.
    Tschun sah ihn fragend an. Und Kuang yin fuhr fort:
    »Ja, so viel hab ich nämlich schon gemerkt, dass zwischen den Ta-jens und
ihren vielen militärischen Rettern keine sonderliche Liebe besteht. Die Ta-jens
sind ja gewiss froh, durch sie befreit zu sein, aber es wäre ihnen doch sehr
erwünscht, wenn die Truppen nun nicht mehr zu neuen besonderen Dingen noch
notwendig würden. Sie lieben die Angelegenheiten nicht, die von den Waffenleuten
entschieden werden müssen. Da fühlen sie sich nicht mehr so ganz als die ersten.
- Und sie haben auch gegenseitig viel aneinander auszusetzen. Die Offiziere
denken nämlich offenbar: Das sind schlechte Diplomaten, die von solch einer
Bewegung wie die der Boxer gar nichts voraus gemerkt haben und sich so
überraschen ließ. Und die Ta-jens wiederum denken: Das sind schlechte
Soldaten, die so viel Zeit gebraucht haben, bis sie endlich zu uns durchdrangen
und uns befreiten.«
    »Da magst Du recht haben,« sagte Tschun, »unter den Fremden herrscht ja
immer Uneinigkeit. Bisher dachten wir freilich, nur zwischen denen der
verschiedenen einzelnen Ländchen, aber, wie es scheint, sogar zwischen den
verschiedenen Berufen desselben Landes. - Na - um so besser für uns!«
    »Freilich, um so besser für uns,« wiederholte Kuang yin, »denn all diese
Uneinigkeit wird hoffentlich hindern, dass aus ihrem geeinten Zorn gar zu
Schlimmes für uns entsteht.«
    »Ja,« fiel Tschun ganz eifrig ein, »daran denk ich jetzt auch immer, denn es
wäre doch furchtbar, wenn der Boxerwahnsinn von den Ausländern als Vorwand
benutzt würde, uns noch mehr Land zu rauben oder uns durch Syndikate,
Geldanleihen und sogenannte Ratgeber noch
