 die
Buchstaben enganeinander und steil. Der Brief war von Werner Hoffmann.
Stanislaus hatte ihr kürzlich erzählt, dass er in einem Sanatorium in der Nähe
Dresdens sei; eine schwere Erschöpfung hatte ihn gezwungen, um einen Urlaub
einzukommen. Auf Empfehlung eines Arztes war er in der Anstalt unter Bedingungen
aufgenommen worden, die ihm den Aufenthalt da ermöglichten.
    Der Brief trug keine Überschrift.
    »Ich muss sprechen und wissen, dass ich gehört werde. Darum schreibe ich. Wenn
ich alles gesagt haben werde, was in dieser Stunde zu sagen ist, - dann werde
ich nachdenken, ob ich auch adressiere - und ich werde es sehr schnell wissen.
Auf die Gefahr hin, eine falsche Adresse gewählt zu haben, werde ich den Brief
dann absenden.
    Das wird kein Liebesbrief, dazu ist meine eigene Verwirrung zu groß.
Verwirrung im Felde der Voraussetzung, - Verwirrung im Gebiete der Objekte. So
sieht die Sache erkenntnisteoretisch aus. Aber aus dem Mannigfaltigen und
Hemmenden wächst das Einfältige und Eindeutige und treibt und schiebt zur Tat.
Es wächst der Wunsch; mit ihm nicht - der Mut. Natürlich wage ich nichts, - was
sich nicht, im gegebenen Falle, als missverständlicher Unsinn deuten ließe, wert,
einer freundlichen Ofenflamme überliefert zu werden.
    Und doch ist es eine Tat. Hervorgelockt aus dem grotesken Gestrüpp der -
Begier ist ein kleines, schwaches, schlechtes Wort. Aber Wunsch nach jenem
Zustand, in dem Ich überwunden wird. Dass es gelänge, - dass es vernichtet würde.
Ich ist ein sonderbares Ding: immer allein und doch tausendfältig gebunden.
    Vielleicht reizt Sie das Problem?
    Ein Wort der Erwiderung erbitte ich. Denn hat je einer weniger gelogen als
ich? Man sage mir ein Wort. Und sei es nur - Sei still mein Freund - wenn man
nicht sagen kann:
Hier blüht das schwere Schweigen, -
Hier findest du, was dich dir nimmt.
Hier wallt, in rotem Purpur,
Vergessenheit und blickt dich an,
Zerstäubt zu Millionen Kräften,
Löst sie dein Schicksal von dir ab,
Trägt es dahin, von wo es kam. - -
                                          Natürlich Ihr sehr ergebener Hoffmann.
Nachschrift vom Tage:
    Frau Baronin v. Kellenberg wird Sie aufsuchen; sie hat ihre Gedichte unserm
Verlag angeboten. Ich sende Ihnen mit gleicher Post das Manuskript. Mein Urteil:
eine respektable Kraft, im Rhythmus der Nüchternheit, die letzten Wünsche der
Exstase ausdrücklich zu machen. Ihre Meinung, bitte!«
    Nach zwei Tagen erwiderte Olga:
    »Es gibt Briefe, denen man es ansieht, dass sie erst nach zehnmaligem
Versuche der Abfassung entstanden sind. So verräterisch war mir der Ihre. -
    Was man sucht, glaube ich zu erkennen: Man sucht eine brauchbare Form. Form
