 in der Absicht hergestellt worden sei, ihn mit Wasser zu füllen und
also eine Art von See zu bilden, aus dem die beiden Erhöhungen als Inseln
hervorschauten. Im Lause der Jahrhunderte hatte sich das zu- und abfliessende
Wasser so tief eingefressen, dass der Boden des Bassins erreicht und dieses
einfach durch Auslaufen und späteres Versiegen des Wassers trocken geworden war.
    Diese Beobachtung an sich hätte weiter nichts ergeben, als dass in uralter
Zeit hier Menschen vorhanden gewesen seien, welche in Beziehung auf ihre
Bauwerke und in Folge dessen auch anderweit bedeutend höher standen als die
späteren Indianer, oder sagen wir richtiger, als die späteren Generationen. Aber
diese beiden Erhöhungen - ich will dem Bilde treu bleiben und sie Inseln nennen
- hatten die höchst auffällige Eigentümlichkeit, dass sie in den zwei
Brennpunkten der Ellipse lagen, und zwar ganz genau. Das konnte nicht Zufall,
sondern das musste Berechnung sein. Da entstand nun sofort die Frage: Welches war
der Zweck dieser Berechnung, das Fazit dieses Exempels? Etwas Gewöhnliches,
Alltägliches jedenfalls nicht. Ich dachte an die schwierigen, astronomischen
Berechnungen, welche dem Baue der ägyptischen Pyramiden zu Grunde liegen, an die
noch unaufgeklärten Geheimnisse der Teokalli und anderer Tempelwerke aus
früherer Zeit, doch bin ich weder Fachmann noch Gelehrter und darf es unmöglich
wagen, mich auf so schwierige, wissenschaftliche Spekulationen einzulassen. Aber
ein Gedanke kam mir doch, wenngleich die Aufrichtigkeit mich zwingt, zu
gestehen, dass er mir bedeutend kühner erschien, als ein einfacher Westmann, der
nur die Absicht verfolgt, auf seine Sicherheit bedacht zu sein, sich gestatten
darf. Aber er stellte sich wieder und immer wieder ein; er packte mich fester
und fester und ließ mich nicht wieder los. Es war der Gedanke an jene im
Altertum oft auch baulich behandelte Tatsache, dass man innerhalb einer gewissen
geometrischen Figur an einem Punkte ganz deutlich das hört, was an einem
anderen, entfernten Punkte leise gesprochen wird. Dieser Gedanke kam ohne mein
Zutun, also ohne dass ich grübelte. Ich wies ihn ab. Aber er kehrte zurück, als
der »junge Adler« zu sprechen begann, und wollte seitdem nicht wieder weichen.
Der Indianer deutete nämlich von da oben, wo wir standen, hinab in die Tiefe und
sagte:
    »Das ist die Kanzel. Wir stehen auf dem höchsten Teile der Wand, von der sie
umschlossen wird. Es gibt zwei Kanzeln. Die eine, nämlich diese hier, ist den
Bleichgesichtern bekannt; von der andern aber wissen sie nichts. Die eine wird
von ihnen die Kanzel des Teufels genannt; die andere würden sie wohl als die
Kanzel des guten Manitou bezeichnen. Die roten Männer aber nennen diese hier
Tscha Manitou12 und die andere Tscha Kehtikeh13.«
    »Welchen
