, »Großer Geist«
oder »Großer, guter Manitou«. Die Forschung hat gezeigt und wird noch weiter
zeigen, dass der echtblütige Indianer gläubiger Monoteist war und sich dabei
glücklich fühlte, bis die zersetzende Vielgötterei sich von außen her tief in
sein Inneres bohrte und den großen Niagarafall des Rassensturzes und der Rassen-
und Sprachzerstäubung vorbereitete. Und der soziale Weg der Vereinigung wurde in
dem Gedanken der Klans gegeben, durch welche die äußerlich zerspaltenen Stämme
innerlich wieder verbunden und zusammengehalten werden sollten. Freilich darf
man das Wort Klan11 hier nicht im englischen resp. schottländischen Sinne
nehmen. Es wurde ein Klan der Wahrhaftigkeit, der Treue, der Wohltätigkeit, der
Beredsamkeit, der Ehrlichkeit gegründet. Wer sich in der Beredtsamkeit üben
wollte; wer sich vornahm, das ganze Leben hindurch wohltätig zu sein; wer sich
stark genug fühlte, niemals eine Lüge zu sagen, niemals untreu oder unehrlich zu
sein, der konnte dem betreffenden Klan beitreten und sich durch Wort und
Handschlag verpflichten, das betreffende Gebot zu erfüllen und lebenslang zu
halten. Wer es auch nur einmal übertrat, der wurde ausgestoßen und galt als
ehrlos für immer. Der leichteren Unterscheidung wegen und um ein sichtbares
Erkennungszeichen zu ermöglichen, nahm jeder Klan den Namen irgend eines Tieres
an, dessen Bild als Merkmal diente. So habe ich bereits gesagt, dass der große
Redner der Seneca, dessen Grab wir in Buffalo besuchten, zum Klan der Wölfe
gehörte. Es gab einen Klan der Adler, der Geier, der Hirsche, der Bären, der
Schildkröten und so weiter.
    In einen solchen Klan konnte ein Jeder eintreten, wess Stammes er immer war.
Selbst der Todfeind wurde angenommen und aus allen Kräften beschützt und
unterstützt, wenn er die ihm auferlegte Bedingung treu und ehrlich erfüllte. So
sehr zum Beispiel die Kiowas und die Navajos einander hassten und sich
gegenseitig bis auf Blut und Tod verfolgten, sobald sie sich als Mitglieder
eines Klan erkannten, war diese Feindschaft augenblicklich und für stets
vergraben. Man kann sich denken, wie segensreich diese Klans wirkten! Leider,
leider aber hörte das auf, als die »Bleichgesichter« erschienen und ihnen
gestattet wurde, auch beizutreten. Sie nützten die Klans nur für ihre
persönlichen Zwecke aus und steckten die Vorteile ein, die ihnen daraus
erwuchsen, ohne aber ihren Verpflichtungen nachzukommen. Dadurch büssten die
Klans ihren guten Ruf, ihre moralischen Kredite ein und somit auch die großen,
sozialen Wirkungen, auf welche hin sie von ihren einstigen Gründern berechnet
waren. Es blieb der Zukunft vorbehalten, ob sie überhaupt wieder aufleben würden
oder nicht.
    Immer waren die Klans nach Tieren benannt, niemals aber nach einem Menschen.
Wenigstens ist es mir nicht erinnerlich, von einem solchen Fall gehört zu haben.
Vielmehr war ein
