 einem großen, plumpen Tische aus Fichtenholz; Karten,
Pläne, Journale waren darauf ausgebreitet, und er sah scheinbar nachdenkend,
oder wie man am Ende bei solchen Augenblicken gewöhnlich ist, gedankenlos auf
die Papiere.
    Er hatte die Arme übereinandergeschlagen, und als Prondzinski immer heftiger
drängte, machte er eine leichte, abwehrende Bewegung mit der Hand und schritt im
Zimmer auf und ab. Seine breitschulterige und doch schlanke, hohe Gestalt schien
kaum Platz zu finden in der niedrigen Stube, sein Gang hatte jenes Wiegende, das
nachdenklichen Menschen oft eigen zu sein pflegt; die Schwere des Körpers senkte
sich bei den langen Schritten sichtbar von einer Hüfte auf die andere, und doch
war eine gewisse vornehme Leichtigkeit, ein imponierendes Etwas nicht zu
verkennen, der Oberkörper nahm wenig oder gar keinen Anteil an der Bewegung. -
Prondzinski schien einen Augenblick selbst von der geheimnisvollen Würde dieser
Erscheinung betroffen zu sein, und den eigenen klaren Ansichten vom Verhältnis
der Dinge zu misstrauen. Wenigstens schwieg er.
    Der Erfolg hat gelehrt, dass in jener Bauernstube wirklich alles auf dem
Spiele stand. Man hat Prondzinski oft den Vorwurf gemacht, dass er bei seinem
erstaunlichen Reichtume an Kriegsplänen arm gewesen sei an dem Mute einer
konsequenten, rücksichtslosen Ausführung. Der Vorwurf ist wahrscheinlich nicht
ungerecht, wenigstens darf man auf sein Betragen in der Schlacht bei Iganie,
welches allerdings dieser Ansicht widerspricht, kein zu großes Gewicht legen. Es
ist wahr, dass er selbst die Soldaten in diese überaus künstlich angelegte
Schlacht hineinführte, obwohl nicht alle berechneten Hilfsmittel zur bestimmten
Stunde eintrafen, es ist wahr, dass er die größte Kaltblütigkeit mitten in dem
mörderischen Kampfe behielt und seinen Leuten während des Sturmschrittes unter
dem feindlichen Kugelregen die Vorteile des Bajonettkampfes auseinandersetzte.
Aber es ist nicht der persönliche Mut, der ihm mit jenem Tadel abgesprochen
werden soll, es ist der moralische Mut eines kräftigen Befehlshabers, welcher
große, gewagte Unternehmungen auf seine Schultern nimmt, durch den Gedanken an
die Verantwortlichkeit nicht erschreckt wird, und nicht rück-, nicht seitwärts
sehend, seinem einmal nach bester Überzeugung gefassten Entschlusse schnurstracks
folgt. Nicht die Geschicklichkeit, sondern die Kraft des Heerführers darf man
ihm absprechen. Aus dieser Eigentümlichkeit erklärt sich auch sein späteres
Betragen, als das Unglück seiner Nation die Höhe der Krisis erreicht hatte und
vielleicht niemand die strategische Fähigkeit in dem Masse besaß wie er - da
hatte er nicht die moralische Kraft, das Oberkommando zu übernehmen. Er besaß
die größten Kriegskenntnisse, aber sie besaßen ihn nicht, das heißt: sie
vermochten es nicht über ihn, ein zweifelloses Vertrauen gegen sie zu hegen, sie
konnten ihm nicht die Kraft geben, welche seinem Temperamente abging.
Prondzinski ist ein deutliches Beispiel, wieviel mehr ein beschränkter Kopf
vermag, der sein geringes Wissen fest
