 Namen und
Ansehen in der Stadt hatte, lief herzu, und Kaspar musste immer bereit sein,
immer tun, was man von ihm haben wollte. Wenn er müde war, durfte er schlafen,
aber wenn er schlief, untersuchten sie die Festigkeit seines Schlafes, und
Daumer schwamm in Glück, wenn der Herr Medizinalrat Rehbein behauptete, eine
derartige Versteinerung des Schlummers habe er nie für möglich gehalten.
    Selbst gewisse krankhafte Zustände seines Körpers gaben Daumer Anlass zur
Vorführung oder wenigstens zum, Studium. Er suchte durch hypnotische Berührungen
und mesmeristische Streichungen Einfluss zu nehmen, denn er war ein glühender
Verfechter jener damals nagelneuen Theorien, die mit der Seele des Menschen
hantierten wie ein Alchimist mit dem Inhalt einer Retorte. Oder wenn auch dies
nichts half, wandte er Heilmittel von einer besonderen Kategorie an, erprobte
die Wirkungen von Arnika und Akonitum und Nux vomica; immer beflissen, immer
erfüllt von einer Mission, immer mit dem Notizenzettel in der Hand, immer in
rührender Obsorge.
    Was für seriöse Spiele! Welch ein Eifer, zu beweisen, zu deuten, das
Sonnenklare dunkel zu machen, das Einfache zu verwirren! Das Publikum gab sich
redliche Mühe im Glauben, nach allen Windrichtungen wurden die anscheinenden
Zaubereien ausposaunt, nicht zum Vorteil unseres Kaspar, keineswegs zu seinem
Heil, wie sich bald herausstellen sollte, aber leider gibt es überall
verwerfliche Kreaturen, die noch zweifeln würden und wenn man ihnen die Skepsis
überem Essenfeuer ausräuchern würde. Vielleicht wollten sie jedesmal etwas Neues
vorgesetzt bekommen, schraubten ihre Erwartungen zu hoch und fanden, dass der
Wundermann nur in seinen eingelernten Paradestückchen exzellierte, in denen er
allerdings, so drückten sie sich aus, etwas von der Fertigkeit eines dressierten
Äffchens an den Tag legte.
    Mit einem Wort, das Programm wurde einförmig, höchstens Neulinge konnten ihm
noch Geschmack abgewinnen. Die andern erblickten in Daumer etwas wie einen
Zirkusdirektor oder einen Literaten, der seine Freunde mit der beständig
wiederholten Vorlesung eines mittelmäßigen Poems langweilt, während über Kaspar
sich zu amüsieren sie immerhin noch Gelegenheit fanden.
    Oder war es nicht amüsant, wenn er zum Beispiel einen hohen Offizier
tadelte, dass sein Rockkragen bestäubt war; wenn er mit dem Finger das Haupt
eines ehrwürdigen Kammerdirektors berührte und mitleidig-verwundert sagte:
»Weiße Haare, weiße Haare?« Wenn er während der Anwesenheit einer vornehmen
Standesperson nur darauf achtete, wie diese den Stock zwischen den Fingern
baumeln ließ und es auch so machen wollte; wenn er seinen Ekel gegen den
schwarzen Bart des Magistratsrats Behold äußerte oder sich weigerte, einer Dame
die Hand zu küssen, indem er sagte, man müsse ja nicht hineinbeissen?
    Durch solche kleine Zwischenfälle hielten sie sich für belohnt. Wenn man
lachen konnte, war alles gut. Hingegen Daumer ärgerte sich darüber und
