 Zweifel war es ihm ein Schmerz, das beglänzte Gewölbe zu schauen«,
antwortete Donner; »nie zuvor hat er den Blick zum nächtlichen Himmel erheben
können. Ihm zeigt die Natur kein freundliches Antlitz, und von ihrer sogenannten
Güte hat er wenig erfahren.«
    Eine Zeitlang schwiegen sie, dann sagte Daumer: »Ich habe für morgen
nachmittag einige Freunde und Bekannte zu mir gebeten. Es handelt sich um eine
Reihe von höchst interessanten Erfahrungen und Beobachtungen, die ich an Kaspar
gemacht habe. Ich würde mich freuen, wenn Sie dabei sein wollten.«
    Herr von Tucher versprach zu kommen. Zu seiner Verwunderung ward er, als er
am andern Tag etwas verspätet erschien, in eine vollständig verfinsterte Kammer
geführt. Die Produktion hatte schon begonnen. Von irgendeinem Winkel her vernahm
man Kaspars eintönige Stimme lesend. »Es ist eine Seite aus der Bibel, die der
Herr Stadtbibliotekar aufgeschlagen hat«, flüsterte Daumer Herrn von Tucher zu.
Die Dunkelheit war so groß, dass die Zuhörer einander nicht gewahren konnten,
trotzdem las Kaspar unbeirrt, als ob seine Augen selbst eine Quelle des Lichtes
seien.
    Man war erstaunt. Man wurde es noch mehr, als Kaspar in der gleichen
Dunkelheit die Farben verschiedener Gegenstände unterscheiden konnte, die bald
der eine, bald der andere von den Anwesenden, um jeden Verdacht einer
Verabredung oder Vorbereitung auszuschliessen, ihm auf eine Entfernung von fünf
oder sechs Schritte vorhielt.
    »Ich will jetzt die Weinprobe machen«, sagte Daumer und öffnete die Läden.
Kaspar presste die Hände vor die Augen und brauchte lange Zeit bis er das Licht
ertragen konnte. Jemand brachte Wein im undurchsichtigen Glas, und Kaspar roch
es nicht nur sogleich, sondern es zeigten sich auch die Merkmale einer leichten
Trunkenheit: seine Blicke flimmerten, sein Mund verzog sich schief. Konnte das
mit rechten Dingen zugehen? War solche Empfindlichkeit denkbar oder möglich? Man
wiederholte den Versuch zweimal, dreimal, und siehe, die Wirkung verstärkte
sich. Beim viertenmal wurde draußen Wasser ins Glas gegossen, und nun sagte
Kaspar, er spüre nichts.
    Doch viel wunderbarer war zu beobachten, wie er sich gegen Metalle verhielt.
Ein Herr versteckte, während Kaspar das Zimmer verlassen hatte, ein Stück
Kupferblech. Kaspar ward hereingerufen, und alle verfolgten mit Spannung, wie er
zu dem Versteck förmlich hingezogen wurde; es sah aus, wie wenn ein Hund ein
Stück Fleisch erschnuppert. Er fand es, man klatschte Beifall, man achtete nicht
darauf, dass er blass war und mit kühlem Schweiß bedeckt. Nur Herr von Tucher
bemerkte es und missbilligte das Treiben.
    Es hatte natürlich nicht bei diesem einen Mal sein Bewenden. Die Sache
redete sich schnell herum, und das Haus wurde zum Museum. Alles, was
