 sondern auch dessen Erhaltung
für den Fall seines Todes zu sichern, erwähnte er, dass zwischen ihm und Herrn
von Tucher Verhältnisse eingetreten seien, die ihm für jetzt und künftig jeden
Verkehr unmöglich machten; es sei deshalb von Wichtigkeit, dass Kaspar tunlichst
bald in eine andre Umgebung versetzt werde.
    Hofrat Hofmann in Ansbach beeilte sich, Herrn von Tucher von der verhüllten
Anklage des Lords zu unterrichten. Herr von Tucher war außer sich. Er teilte der
Behörde seinen an Stanhope gerichteten Brief wörtlich mit, schilderte noch
einmal und in düsteren Farben den unheilvollen Einfluss des Grafen auf Kaspars
Charakter und ersuchte um schleunige Decharge von einer Vormundschaft, die ihm,
wie er sich ausdrückte, Sorgen, Plagen und Lasten und zuletzt noch Undank und
Verargung seines redlichen Willens zugezogen habe. Da das Ansbacher Amt ein
Gutachten über die Person des Lords gewünscht, schrieb er zurück, er habe den
Herrn Grafen als einen seltenen Mann von ausgezeichneten Eigenschaften
kennengelernt. Das Gerücht bezeichne ihn als sehr vermöglich, er selbst
behaupte, eine jährliche Rente von zwanzigtausend Pfund Sterling, also
dreimalhunderttausend Gulden, zu genießen, welches Einkommen ihn übrigens als
Earl und erblichen Pair von Grossbritannien noch keineswegs unter die reichen
Edelleute seines Landes setze. »Vorausgesetzt, dass die hochlöbliche
Kuratelbehörde genügende Sicherheit erlangt,« schloss er sein mächtig langes
Schreiben, »auch solche, die über gewisse bedenkliche Konjunkturen in England
Aufschluss gibt, habe ich als Vormund gegen die Adoption Kaspar Hausers durch
Lord Stanhope, sonderlich in finanzieller Hinsicht, nichts einzuwenden.«
    Ein umständliches Verfahren, ein endloser Instanzenweg. Stanhope zappelte
schon vor Ungeduld und Wut. Doch schienen ungeachtet des geschäftigen Klatsches
und der widerstreitenden Meinungen alle Hindernisse beseitigt, und er sah sich
dem von Anfang an mit langsamer Zähigkeit verfolgten Ziele nahe, als plötzlich
alles wieder vernichtet wurde. Der Präsident Feuerbach legte nämlich sein Veto
ein gegen die Entfernung Kaspars aus Nürnberg, Er schickte einen Privatboten an
den Bürgermeister Binder und ließ ihn wissen, dass er soeben von seiner Badekur
in Karlsbad zurückgekommen und was im Werke sei als vollkommene Neuigkeit
vernehme. Er untersagte jede Entscheidung, bevor er den ihm verworren und
verdächtig erscheinenden Fall geprüft und die auszuführenden Schritte
gutgeheissen habe.
    Der Bürgermeister fand sich verbunden, den Lord sogleich von der neuen
Wendung der Dinge in Kenntnis zu setzen. Stanhope empfing und las das Briefchen
Binders in seinem Hotel gerade während man ihn rasierte. Er stieß den Bader
beiseite, sprang auf und rannte, noch mit dem Seifenschaum auf seiner Wange,
heftig erregt durch das Zimmer. Es dauerte geraume Zeit, bis er sich seiner
Toilettenpflicht wieder erinnerte; er zerriss den Zettel, den ihm Binder
geschickt, in hundert kleine Stücke und saß dann unter dem Rasiermesser mit
einem Gesicht so voll Hass und Galle, dass
