 so verheiratet worden, ohne zu wissen, was es sei, und bisher hat sie so
gelebt in Reichtum und Glanz, bewundert und gefeiert, aber geliebt hat sie wohl
noch nicht; jetzt aber ...« Vittoria hielt inne.
    »Was denn jetzt, gute Vittoria?« fragte Rosa rasch; »sag mir doch alles, ich
liebe die Herzogin sehr und möchte, dass sie glücklich wäre.«
    »Nun, die Marietta meint, ihr schiene, ihre Herrin habe eine heftige Neigung
für den fremden jungen Prinzen gefasst, der so viel in den Palazzo kommt; aber
das kann auch nur dummes Geschwätz von der Marietta sein; solche Mädchen, die
immer um die Herrin sind, sind neugierig, passen auf alles auf, wissen oft mehr,
als die Dame ahnt, irren sich dann aber auch oft, weil sie die Dinge sich nach
sich selbst auslegen und die Marietta ist leichtsinnig; und was sie selbst tun
würde, traut sie auch den anderen zu.«
    Rosa erwiderte nichts, sie war betroffen und fühlte ein unerklärtes Weh, das
sie für den Augenblick stumm machte und in sich selbst blicken ließ, um die
Ursache davon zu suchen. Auch wurde die Unterhaltung abgebrochen, denn die
Amadei kam zurück und Vittoria verschwand augenblicklich.
An demselben Abend befand sich im Palast Santomara nur ein kleiner Kreis meist
älterer Herren, unter denen der Kardinal Palombi und mehrere andere Prälaten,
aber auch Prinz Waldemar mit seinen zwei Begleitern zugegen waren. Das Gespräch
hatte einen beinahe politischen Charakter bekommen, indem einige der geistlichen
Herren sehr günstig für Österreich, die anderen aber, besonders Kardinal
Palombi, durchaus französisch liberal gestimmt waren. Es waren dies die zwei
Strömungen, die die damalige römische Gesellschaft teilten. Der Wiener Kongress
1815 hatte den von der Napoleonischen Zeit her überwiegenden französischen
Einfluss gebrochen und Italien wieder dem finsteren Druck österreichischer
Jesuitenherrschaft anheimgegeben. Dann, unter Papst Pius VII., hatte der edle
Kardinal Konsalvi eine Reihe kultureller Reformen angefangen, die aber
abgeschnitten wurden durch die Wahl des Kardinals della Genga zum Papst unter
dem Namen Leo XII. Er war von dem strengen Geiste des mittelalterlichen
Papsttums erfüllt und hätte am liebsten den Kirchenstaat ein paar Jahrhunderte
zurückgeführt und für immer jedem Licht der Aufklärung, des freien Gedankens,
der fördernden Wissenschaft verschlossen. Sein Pontifikat dauerte zum Glück nur
fünf Jahre, doch schon zu lange für den Zustand des römischen Staates, in dem
nun geheim die ewig treibenden Kräfte des menschlichen Werdens gewaltsame Dinge
vorbereiteten. Es war dies eine von den seltsamen Unterbrechungen des
Fortschritts, in denen sich die Geschichte von Zeit zu Zeit gefällt, gleich als
ob sie ein zu rasches Wachsen zum Vollkommeneren für schädlich hielte oder die
Menschen an Geduld gewöhnen wollte. Nach dem Tode
