 ich auch das
dortige Hotel Madras erwähne.
    Die Bahn geht längs des Meeres, oft auf einem im Wasser liegenden Damme hin,
welcher durch Korallenklippen vor Überflutung und Zerstörung geschützt wird.
Rechts hinaus liegt die entweder blau träumende oder beweglich funkelnde See,
die ich hier nie in Erregung gesehen habe, und links die Küste mit dem tiefen
Grün ihrer herrlichen Vegetation, aus welcher einzelne Häuser oder
zusammenhängende Dorfschaften mit fremdblickenden, verwunderten Augen auf den
vorüberrollenden Zug schauen. Die Pflanzenwelt prangt hier in fast noch größerer
Üppigkeit, als drüben auf dem ostindischen Festlande. Bambusgruppen, Jack- und
Brotfruchtbäume, riesige Bananen und volltragende Feigen, gelblich leuchtende
Pisonien, Borassus-, Karyota-, Korypha-, Kalamus- und Arecapalmen bilden die
Unterbrechung von Kokospflanzungen, welche kein Ende nehmen. Die dazwischen
liegenden Häuser der Wohlhabenden sind mit blumengeschmückten Veranden versehen;
der Aermere lebt in einfachen Ziegel- oder Lehmhäusern, deren Dächer meist aus
Palmblättern bestehen. Auch diese Wohnungen sind von Gärten umgeben und machen
den Eindruck der Sauberkeit, welcher für Jeden, der aus mit Arabern bevölkerten
Gegenden kommt, doppelt angenehme Wirkung hat.
    Die Eingeborenenstadt von Point de Galle liegt im Niveau der See; die
Europäerstadt zieht sich über die hohe, luftige Klippe nach dem wieder tiefer
stehenden Leuchtturm hin. Von dem noch oberhalb der Kirche liegenden Hotel aus
konnte ich den ganzen Hafen mit den hier ankernden Schiffen fast aller
seefahrenden Nationen überblicken. Ich habe Point de Galle und seinen Hafen
schon wiederholt beschrieben und will hier nur sagen, dass sich eine Fahrt von
Kolombo nach diesem Ort und Matara fast überreich belohnt.
    Mein diesmaliger Aufenthalt währte nicht länger als von heute früh bis
morgen abend, also nur eine Nacht, und diese Nacht war keine angenehme. Da ich
gern hoch, frei und licht wohne, wählte ich ein Zimmer in der zweiten Etage,
während ich Sejjid Omar in der ersten unterbringen ließ. Die Räume hier oben
hatten die Eigentümlichkeit, dass ihnen die Decken fehlten; das Hausdach, welches
noch hoch über sie emporstieg, schützte sie gemeinschaftlich vor dem Regen, und
da die Zwischenwände diesem Dach nicht folgten, sondern in etwas über Manneshöhe
aufhörten, so konnten sich die Bewohner dieser Etage zwar nicht sehen, aber
Alles, was in dem einen Zimmer gesprochen wurde und ebenso jedes Geräusch und
jeder andere Schall fiel von dem hohen Dache mit verdoppelter Stärke in die
andern Räume zurück, so dass es fast nicht möglich war, ein lautes Wort zu sagen
oder irgend etwas Hörbares zu tun, was Niemand wissen sollte. Man wohnte da,
wenigstens in Beziehung auf das Ohr, in vollster Oeffentlichkeit.
    Ich aß auch hier, wie fast stets im Hotel, auf meinem Zimmer, bekümmerte
mich um Niemand und wusste also nicht, was
