 Worte!«
    »Der? Arabisch sprechen? Siehst du denn nicht, dass ihm die Dummheit aus den
Augen blickt? Der spricht nicht einmal seine Muttersprache richtig. Ich weiß das
ganz genau, denn ich habe französisch mit ihm geredet. Er wollte mich als
Dolmetscher haben; ich bin aber nicht darauf eingegangen, weil ich ihm sofort
angesehen habe, dass er ein armer Schlucker und außerdem ein Geizhals ist. Jage
ihn fort! Wir brauchen diesen Platz für unsere Leute!«
    Da machte der Sejjid eine seiner unnachahmlichen, sprechenden Handbewegungen
und antwortete:
    »Ich bin nicht dein Diener, und Allah und mein Geschäft verbieten mir,
unhöflich zu sein. Wenn du als Christ und Grieche grob sein darfst, so geht mich
das nichts an. Ich heiße Sejjid Omar; das merke dir!«
    Der Levantiner hätte es vielleicht gewagt, aus Rachsucht mit Hilfe des
Eseltreibers mit mir anzubinden; aber es ohne diese Unterstützung zu tun, dazu
war er, wie die meisten seinesgleichen, zu feig. Er hatte, nur um mich zu
ärgern, die Fremden grad her zu mir geführt, obgleich ich vor ihnen der einzige
Mensch war, der sich auf dem weiten Plateau des Dschebel Giyuschi befand, auf
welchem Platz für ungezählte Tausende gewesen wäre. Ich aber tat, als ob mir
diese Flegelhaftigkeit vollständig gleichgültig sei.
    Der Hammahr2 half den Reisenden beim Absteigen. Dann setzten sie sich auf
die ausgebreitete Decke, ohne mich zu grüßen oder auch nur mit einem Blicke zu
beachten. Das beleidigte mich nicht. Ich kannte ja diese besonders jenseits des
Kanales und des Atlantischen Meeres gepflogene Weise, nach welcher fremde
Menschen als vollständig abwesend betrachtet werden. Selbstverständlich waren
sie nun auch für mich nicht vorhanden, und ich rauchte die Zigarre, welche ich
mir angebrannt hatte, ruhig weiter, obgleich ich sah, dass der Wind der Dame den
Rauch zuweilen in das Gesicht trieb. Sie saß mir so nahe, dass ich sie mit der
ausgestreckten Hand erreichen konnte.
    Nun stellte sich der Dolmetscher in Positur und begann, den Fremden das vor
ihnen liegende Panorama zu erklären. Er tat dies in einem Englisch, mit welchem
ein Bauer, ohne die Hacke nötig zu haben, die stärksten Rüben hätte aus dem
Felde ziehen können, und es war den beiden Zuhörern auch mehr als deutlich
anzusehen, dass sie sich von dem, was sie anhören mussten, nichts weniger als
erbaut fühlten. Eine Weile ließ sie es sich gefallen, dann aber gebot die Dame
dem poliglott-schrecklichen Griechen, still zu sein, zog ein rotgebundenes Buch
aus der Tasche und sagte zu dem Herrn, zu meiner Überraschung in deutscher
Sprache:
    »Verstehst du ihn, Vater? Ich nicht! Nehmen wir den Baedeker her!
