 zu mir,
verbeugte sich sehr höflich und sagte, zu meinem Erstaunen deutsch:
    »Mein Herr, ich ahne, dass wir Ihnen Etwas zu verdanken haben, was uns noch
nicht ganz bekannt geworden ist. Wir wünschen natürlich, es zu erfahren, und
bitten um die Erlaubnis, Ihnen unsern Besuch machen zu dürfen. Kann das
geschehen, ohne dass wir unsere heimatlichen Namen zu nennen haben? Ich möchte
nicht eine Unwahrheit sagen und wünsche doch nicht, die Namen aussprechen zu
müssen. Ich werde hier Fu und mein Sohn wird Tsi genannt.«
    Das war höflich und ehrlich zugleich. Es widerstrebte ihm, einen Mann zu
täuschen, dem er Dank zu schulden glaubte. Eine echt und wahrhaft vornehme
Gesinnung, die mich nach meinen bisherigen Beobachtungen freilich nicht
überraschen konnte! Ich sagte ihm, dass er und sein Sohn mir nach dem Abendessen
willkommen seien, da grad die Umstände, von denen er gesprochen habe, mich
verhinderten, sie eher zu empfangen. Dann trennten sie sich von mir, nachdem ich
auf mein Befragen die Versicherung erhalten hatte, dass die Verwundung des Sohnes
eine ganz leichte sei und zu keiner Besorgnis Veranlassung gebe.
    Die Tochter des Missionars bat ich, mich nach meinem Zimmer zu begleiten,
obgleich diese Aufforderung unter anderen Umständen fast so viel wie eine
Beleidigung für eine Dame sei; ich wollte ihr aber die Freude machen, die Erste
zu sein, von der ihr Vater bei seiner glücklichen Ankunft empfangen werde. Sie
zögerte nicht, mir diesen Wunsch zu erfüllen.
    Als wir hinaufkamen, stand die Tür genau so weit offen, wie ich sie offen
gelassen hatte; es war also noch Niemand von draußen in das Zimmer getreten. Der
Stuhl, auf welchem ich gesessen hatte, stand noch im Freien; ich nahm einen
zweiten mit hinaus, und wir setzten uns nieder. Die Sonne nahte dem Untergange;
es war nur noch kurze Zeit bis zum Eintritt der Dunkelheit, und ich nahm an, dass
Omar sein Möglichstes tun werde, mit seinem Begleiter noch vor derselben das
Hotel zu erreichen. Es handelte sich dabei auch um die Gefährlichkeit der
Bodenverhältnisse in der Nähe der Pyramiden, wo es so viele eingestürzte oder
nur schlecht wieder zugeschüttete Gräber und unterirdische Gänge gibt, dass nach
Sonnenuntergang ein Ritt für den, der solche Stellen nicht ganz genau kennt,
tunlichst zu vermeiden ist.
    Wir saßen fast ganz still neben einander. Miss Mary war verlegen, und ich
befand mich nicht in der Stimmung, die Zeit mit einem Gespräch über irgend einen
gleichgültigen Gegenstand auszufüllen. Ich sagte ihr kurz, dass ich von Sejjid
Omar die Bedrängnis ihres Vaters erfahren und was ich ihm hierauf für eine
Weisung gegeben hatte. Sie tat, als ob sie durch diese Mitteilungen beruhigt
worden
