 ich ein Wohnzimmer und ein Schlafgemach, von
denen aus ich eine weite, weite Aussicht nach Westen, nach Süden und auch bis
hinüber nach dem Meere hatte. Mein Sejjid Omar wohnte neben mir. Wir hatten uns
auf einen längeren Aufenthalt hier einzurichten und bekamen darum von der Jacht
aus unsere Koffer nachgeschickt.
    Das soeben erwähnte Mittagessen fand ohne die Schlossherrin statt. Sie wurde
von John damit entschuldigt, dass sie von einer Arbeit festgehalten werde, welche
ganz unbedingt sofort noch zu vollenden sei. Was für eine Arbeit er meinte, das
sahen wir nach Tische, als er uns in Kastle herumführte, um uns die Räume
desselben zu zeigen. Wir waren dabei alle beteiligt, außer Waller, welcher bei
unserer Ankunft für einige Minuten aufgewacht und dann aber wieder eingeschlafen
war. Doch, wenn ich sage, dass John Rafflei uns geführt habe, so ist das
eigentlich nicht ganz richtig, denn der, welcher voranging, um alle Türen zu
öffnen und uns, bevor er dies tat, stets sagte, was für einen Raum wir nun zu
sehen bekommen würden, das war nicht der Neffe, sondern sein Onkel, der
Governor. Es machte diesem nämlich ein herzliches Vergnügen, uns zu beweisen,
dass das hiesige Schloss, wenigstens betreffs der Räume und ihrer Bestimmung, dem
heimatlichen vollständig gleiche. Wenn er uns sagte, was nun für eine Stube
kommen werde, und es stimmte, so war er stolz, es schon vorher gewusst zu haben.
So auch, als er sich bemühte, eine hohe, dunkle Tür zu öffnen, in deren Schloss
ein altertümlicher, pistolengrosser Hohlschlüssel steckte.
    »Das ist der Hauptraum unsers ganzen Schlosses,« sagte er, das »unser« für
ganz selbstverständlich haltend, »nämlich der Ahnensaal. Daheim ist er schon so
voller Bilder, dass man ihn nun wird vergrößern müssen; hier aber bin ich selbst
im höchsten Grade neugierig, was man an die Wände gehangen haben wird. Wir
befinden uns zwar im klassischen Lande des Ahnenkultus, aber man kann in China
doch unmöglich wissen, wie so ein alter, längst verstorbener Englishman, ein
echter, toter Rafflei auszusehen hat!«
    »Oh!« widersprach sein Neffe. Da klirrte das Schloss, und die Tür ging auf.
Da hingen sie, alle, alle, genau dieselben und auch genau so groß wie drüben in
der Heimat, freilich nicht in Öl und Farbe, sondern nur in schwarzer Kreide,
die Lichter weiß gegeben. Und auf dem langen Mitteltisch lagen die
Blitzphotographien, welche John aus England mitgebracht hatte, um seine Ahnen
von chinesischen Künstlern nach ihnen zeichnen zu lassen. Die Maler des »Reiches
der Mitte« sind bekanntlich grad in Beziehung auf die Genauigkeit des Kopierens
unvergleichlich.
