 Und so eine Kraft haben wir pensioniert, emeritiert! Eigentlich eine
Schande! Wir jagen ihn fort, um seiner Aufrichtigkeit, um seiner Ehrlichkeit
willen, bei den Buddhisten und Konfuzianern aber wird er aufgenommen und
anerkannt! Doch sagt einmal, mein Freund: Ich hörte, das neue Rafflei-Kastle sei
ganz ähnlich gebaut wie das ursprüngliche, das alte. Wenn das der Fall ist, wie
kann es da so in der Form eines Kreuzes leuchten?«
    »Ihr seid ganz richtig berichtet, Sir; das neue gleicht dem alten, doch
Material und innere Einrichtung sind anders. Die Seele ist geblieben aber zu dem
neuen Körper kam auch ein neuer Geist. Die Basis oder der Sockel des Kreuzes
wird von den Wirtschaftsgebäuden gebildet, über denen sich die Beamtenwohnungen
grad in die Höhe ziehen. Dann kommt das eigentliche Kastle, der Mittelpunkt,
welcher nach rechts und links die beiden Arme breitet; ich meine die
Baulichkeiten für humanitäre, also menschenfreundliche Zwecke. Hinter dem Kastle
liegt das Paradies, über diesem das herrliche Atelier und wieder über diesem die
Kapelle mit der Orgel, die aus Deutschland verschrieben worden ist. Das Alles
wurde aus weißem Marmor gebaut, der aus den benachbarten Kreidebrüchen stammt.
Wenn die Sonne auf diese Marmorflächen blickt, so beginnen sie zu strahlen; die
dunkleren Zwischenräume verschwinden für die Ferne, und so entsteht das Kreuz,
welches Jedermann bewundert, der es sieht.«
    »Das ist außerordentlich. Ihr sprecht auch von einem Atelier. Gibt es denn
dort einen Künstler, einen Maler oder Bildhauer?«
    »Nicht einen Künstler, sondern eine Künstlerin, nämlich unsere Yin.«
    »Was? Wie? Yin? Sie, eine Künstlerin?«
    »Ja, und zwar die größte, die einzigste, die wir hier im Osten haben. Wisst
Ihr auch das noch nicht, Sir?«
    »Nein, wirklich nicht!«
    »Aber der Marmorkopf dort, der sie selbst darstellt, ist ja von ihr
gemeisselt! Und auch das Bild in der Kajüte ist von ihrer eigenen Hand!«
    »Das wird ja immer interessanter und immer unerhörter! Zuletzt besteht man
nur noch aus lauter Verwunderung und wundert sich dann schließlich über gar
nichts mehr!«
    »Und das Paradies ist von ihr gemalt,« fuhr der Hafenmeister fort, »und für
den Bau und die Ausstattung des Schlosses hat sie die vorzüglichsten
Bestimmungen mit getroffen!«
    »Auch das noch! Aber trotz dieser ihrer Beihilfe war ein Architekt nötig,
wie es selten einen gibt, und der kann kein Chinese gewesen sein, sondern ist
aus Europa herbeordert worden. Wahrscheinlich ein Engländer, der Rafflei-Kastle
dort natürlich vorher studieren musste!«
    »Verzeihung, Sir; er ist doch ein Chinese
