 interessant; ganz selbstverständlich aber
belästigte ich den Pu-Schang nicht mit zudringlichen Fragen nach dieser
Verbrüderung, die mit jedem neuen Tage ein größeres Interesse für mich gewann.
Es war also ganz freiwillige Äußerung, was er noch über sie sprach:
    »Ihr werdet bemerkt haben, dass der Ort ein festliches Aussehen zeigt. Der
nähere Grund liegt allerdings in Eurer Ankunft heut. Es gibt aber auch noch
einen zweiten. Übermorgen feiern wir nämlich den größten Festtag unsers Landes,
den Shen-Ta-Shi54, auf den wir uns schon jetzt vorbereiten. Da strömen uns aus
weit von jenseits unserer Grenzen die Freunde unsers Bundes in Scharen zu, und
wohl nirgends auf der weiten Welt gibt es eine Versammlung, in welcher in
Beziehung auf Bruderpflicht und Menschlichkeit so Weittragendes entschieden
wird, wie hier bei uns an diesem einen Tage. Ihr werdet es ja sehen!«
    Wir hatten inzwischen den Hasen erreicht und waren so weit am Wasser
hingegangen, dass wir uns grad bei unserer Yacht befanden. Auf dem Deck saß der
Governor. Seine Aufmerksamkeit schien nach auswärts, nach der Wasserseite
gerichtet zu sein; bei einer unwillkürlichen Bewegung des Kopfes aber fiel sein
Blick zu uns herüber; er sah mich und winkte mir, zu ihm zu kommen. Der
Pu-Schang wollte sich entfernen, ich lud ihn aber ein, mit mir zu kommen, da
Raffleis Onkel sich jedenfalls freuen werde, ihn kennen zu lernen. Das geschah
denn auch. Ich stellte die beiden Herren einander vor und sah bereits nach
kurzer Zeit, dass der Hafenmeister dem Gentleman sehr wohlgefiel.
    Der letztere behauptete, uns gar nicht beschreiben zu können, was das Kreuz,
welches jetzt nach Entfernung der Wolke wieder zu sehen war, für einen Eindruck
auf ihn mache. Leider habe er es nicht eher bemerkt, als bis John mit seiner Yin
im Boote fortgefahren sei. Er fügte hinzu:
    »Indem ich diesen beiden nachschaute, sah ich plötzlich dieses diamantene
Wunder dort an den Bergen leuchten, und ich versichere Euch, ich finde auch
jetzt noch keine Worte, um Euch zu sagen, wie tief es mich ergreift. Doch,
lieber Charley, da fällt mir ein: Ich wollte Euch Etwas zeigen. Seht hier; was
ist das wohl?«
    Das, was er mir reichte, war eine Arekanuss allerkleinster, niedlichster Art,
als Knopf-, Schal- oder Gürtelschliesser in Gold gefasst. Auf der einen Seite
stand das Wort »Shen« und darunter der Name Yin; auf der andern las ich die drei
schon einmal erwähnten Zeichen Schin, Ti und Ho. Die Satzungen der »Shen« waren
mir unbekannt; vielleicht gab es überhaupt keine; aber wenn ich an die Karte
dachte, mit welcher Tsi damals
