 muss ein selten begabter Mann sein,
reich, human, tatkräftig, für hohe Zwecke opferwillig, kurz von den edelsten
Gesinnungen beseelt. Ich stelle mir ihn wie unsern Rafflei vor. Wie es gekommen
ist, das möchte ich nicht ausführlich beschreiben, aber Vater war und ist voller
Begeisterung für diesen Europäer. Jeder der Beiden liebt sein Vaterland von
ganzem Herzen, und während Vater der Überzeugung ist, dass China zwar das volle
Recht besitze, sich dem Abendlande zu verschließen, aber doch klug daran tue,
seine Eigenart im friedlichen Völkerverkehre zur Geltung zu bringen, wird von
Blackstone der christlich lieben Anschauung das Wort gesprochen, dass für den
Westen im Osten noch ungeahnte Schätze liegen, die man sich aber nicht mit dem
Schwerte zu erobern, sondern in freundlicher und redlicher Weise einzutauschen
habe. In diesen zwei Männern kommen also Morgen- und Abendland einander in der
Weise entgegen, wie es von der wahren Intelligenz, der wahren Humanität und dem
wahren Christentum befohlen wird. Sie fassten den Entschluss, diese Harmonie der
Gesinnung in die Tat, diese Theorie in die Praxis umzusetzen, und erwarben an
der chinesischen Küste eine Landstrecke, welche groß genug und in jeder
Beziehung geeignet war, diesem Zwecke zu dienen. Ich weiß nicht Alles, was sie
da geschaffen haben, obgleich Vater mir so viel davon erzählt hat, denn er ist
ja bis kürzlich fast zwei Jahre lang von dort abwesend gewesen und also über das
Neueste selbst noch nicht genau unterrichtet.«
    »So ist er wohl jetzt wieder dort?« erkundigte ich mich.
    »Ja.«
    »Und Blackstone auch?«
    »Dieser nicht. Er hat Vater geschrieben, dass er nach England müsse, aber
bald zurückkehren werde. Das war vor schon längerer Zeit, so dass er also bald
wieder zu erwarten ist. Ich verzichte jetzt auch deshalb darauf, Ihnen Näheres
mitzuteilen, weil, wenn sich mein Wunsch erfüllt, Sie ja Alles mit eigenen Augen
sehen werden. Vater betrachtet Blackstone als seinem jüngeren Bruder und hat mir
so viel Liebes und Edles von ihm erzählt, dass ich mich unendlich darauf freue,
ihn kennen zu lernen. Dorthin und nur dorthin möchte ich Waller bringen. Meinen
Sie, bei Rafflei erwirken zu können, dass er mir den Patienten überlässt?«
    »Ich werde es versuchen,« antwortete ich. »Ob ich es erreiche, kann ich
freilich nicht sagen. Ich darf ihm natürlich mitteilen, wer und was Sie sind?«
    »Ich bitte sogar darum. Dieses Inkognito ist unter den jetzigen
Verhältnissen doch nicht länger festzuhalten.«
    Es war dann nach dem Abendessen. Rafflei kam mit irgend einer Frage zu mir
in meine Kabine. Da nahm ich die Gelegenheit wahr und trug ihm vor, was
