 zu werden, weiter zu sprechen; er fuhr erst
nach einigem Zögern fort:
    »Ich sehe ein, dass ich aufrichtig sein und mein Geheimnis endlich vor Ihnen
lüften muss, zumal Sie wohl von allem Anfang an geahnt haben, dass mein Vater
etwas mehr ist, als er sich gegen Fremde merken ließ. Doch, wenn ich Ihnen nun
die Wahrheit sage, so denken Sie ja nicht, dass ich mit ihr prunken will. Grad
die Prahlerei ist das, was uns am fernsten liegt, und was ich Ihnen sage, würden
Sie ja ohnehin erfahren.«
    Wir saßen miteinander allein. Niemand hörte uns. Ich gestehe, dass ich
gespannt auf die endliche Lösung dieses Rätsels war. Er begann sie mit den
Worten:
    »Kaiser Hoang-ti, welcher fast dreitausend Jahre vor Ihrer Zeitrechnung
lebte und den Grund zu unserm Staatswesen legte, gab seinen Kindern Namen,
welche auf ihre Nachkommen übergehen sollten und noch heut von keinem Andern
getragen werden dürfen. Der Name des Sohnes, von welchem ich abstamme, war Ki.
Sie sehen, dass ich mich in Beziehung auf das, was Sie Adel nennen, vor keinem
Europäer zu verbergen habe. Mein Stammbaum hat nicht eine einzige Lücke, und auf
keinem von allen diesen Namen ruht selbst nach den gegenwärtigen und
europäischen Ehrbegriffen die geringste Schande. Mein Vater heißt Ki Tai Schin.
Den Ehrennamen Tai Schin hat er direkt vom Kaiser bekommen. Er ist Mandarin der
ersten Klasse und Ritter der Gelben Flagge. Solche Ritter gibt es im ganzen,
großen Reiche nur fünf, und mit diesem allerhöchsten Rang ist das Recht über
Leben und Tod verbunden. Ich erhielt, auch vom Kaiser, den Namen Ki Ti Weng,
doch bitte ich, mich immerhin wie bisher Tsi zu nennen. Wir sind reich; ich
kenne Raffleis Vermögen nicht, aber ein Vergleich sogar mit diesem Herrn würde
sicher zu unsern Gunsten ausfallen. So, das als Einleitung. Ich musste es sagen,
obgleich es so sehr unbescheiden klingt.«
    Es gilt, zu den Namen zu bemerken, dass Tai Schin so viel wie »Große
Pflichttreue« oder »Große Humanität« heißt. Vom Kaiser selbst gegeben, war das
gewiss ein vielsagender Ehrennamen. Und Ti Weng heißt »Jüngerer Greis«. Nach der
chinesischen Bedeutung dieses Wortes Greis, welche auf Wissen, Können und
Erfahrung zielt, konnte Tsi mit dieser großen Auszeichnung wohl mehr als nur
zufrieden sein. Der junge Mann war aber nichts weniger als eingebildet stolz. Er
sprach weiter:
    »Als ich in Frankreich war, lernte mein Vater in Peking einen Engländer
Namens Blackstone kennen, den ich also nie gesehen habe, obgleich die Beiden
sich außerordentlich nahegetreten sind und trotz des Altersunterschiedes
einander Brüder nennen. Dieser Blackstone
