 er sich freute, uns wieder
zu haben, so groß war aber auch sein Verlangen, uns möglichst schnell zu zeigen,
wie tief er während der verflossenen vierzehn Tage in die Sprache der Chinesen
eingedrungen sei.
    Wir fanden unsere Wohnungen genau so vor, wie wir sie verlassen hatten. Sie
waren nicht belegt worden, obgleich es wiederholt Besuch im Kratong gegeben
hatte, besonders Offiziere. Das hing wohl mit den kriegerischen Unternehmungen
zusammen, von denen ich bereits gesprochen habe. Grad als sich Jeder von uns in
sein Zimmer begeben hatte, stellte Tsi sich ein, um uns zu begrüßen und über
Waller Bericht zu erstatten.
    »Er ist gerettet,« sagte er, »aber allerdings einstweilen nur erst
körperlich. Und selbst da kann mein Urteil noch kein endgültiges sein. Das Ko-su
hat gradezu Wunder getan; aber diese fürchterliche Krankheit pflegt schon bei
gewöhnlichem Auftreten innere Zerstörungen zurückzulassen, welche später noch
verhängnisvoll werden können, und hier hatte sie ja in einer Weise um sich
greifen dürfen, welche selbst mich, den immer Zuversichtlichen, am Erfolge fast
verzweifeln ließ, obgleich ich das nicht sagte. Aber der Geist, der Geist!
Vielleicht ist es ebenso richtig oder noch richtiger, wenn ich sage, die Seele,
die Seele! Ich stehe da vor einem Zustande, von dem ich zwar gehört und auch
gelesen habe, der mir aber noch niemals vorgekommen ist. Der Psycholog befindet
sich da in einer Lage, die ihn mit den Anschauungen und Behauptungen der
Wissenschaft in den allerernstesten Konflikt geraten lässt. Jeder abendländische
Arzt würde mit der größten Überzeugung sagen, dass Waller wahnsinnig geworden
sei. Es versteht sich ganz von selbst, dass ich dies Miss Mary verschweige, zumal
ich dieser Ansicht ganz unmöglich beizustimmen vermag. Er spricht nämlich grad
während der sogenannten Wahnsinnsanfälle überaus klar und richtig. Ja, seine
Logik kommt mir dann so scharf, so unwiderstehlich, so erhaben, fast überirdisch
vor. Es ist nichts Monomanes, nichts Gestörtes, nichts krankhaft Unsicheres
dabei. Diese Anfälle wirken auf sein körperliches Befinden vorteilhaft, anstatt
es zu deprimieren. Er scheint in eine Duplizität oder gar Triplizität gespalten
zu sein. Jetzt spricht er selbst, mit seiner eigenen Stimme und in seiner
gewöhnlichen, uns Allen bekannten Weise. Plötzlich ändert sich sein Ton. Er
redet nicht mehr englisch, sondern deutsch. Sein Ausdruck ist ein höherer
geworden. Er bringt sogar Reime, die tadellosesten Reime, die man sich denken
kann. Und sie klingen sanft, zart, weich, wie aus einem liebevollen, bittenden
Frauenmunde. Und ebenso plötzlich fällt ihm ein tiefer, starker Bass in die Rede,
während seine Stimmlage doch fast noch höher als Bariton ist. So ist es, als ob
er aus sich selbst
