 ein kleines Brötchen nehmen zu
können, weil es ihm ganz unmöglich sei, jetzt an sich selbst zu denken. Er war
nur gekommen, um uns in Beziehung auf Waller so viel, wie die Umstände
erlaubten, zu beruhigen.
    »Er lebt,« sagte er. »Das heißt, der Körper ist nicht tot. Puls und Atmung
sind vorhanden, wenn auch nur sehr schwach. Er liegt noch genau so, wie wir ihn
gestern abend hingelegt haben. Sein Inneres aber, also das, was Ihr als Geist
und Seele bezeichnet, hat sich noch nicht wieder geregt. Hier liegt der
Fragepunkt, wenn nicht für jetzt, so doch für später. Denn die gestrige
Katastrophe war keine leibliche, sondern eine geistige. Nicht sein Körper brach
unter ihr zusammen, denn diesem gebrach es schon vorher an aller Kraft, sondern
etwas ganz Anderes, was, wie ich hoffe, sich niemals wieder erheben wird.
Dennoch habe ich es zunächst nur mit dem äußeren Leben zu tun. Es ihm zu
erhalten, muss für heut und die nächsten Tage mein ganz ausschliessliches
Bestreben sein. Ich darf ihn nicht verlassen, und es macht mir ein böses
Gewissen, dass ich ihn schon drei Minuten aus dem Auge gelassen habe, indem ich
hier bei Euch sitze. Miss Mary ist gefasst. Sie bereut ihre gestrige Regung
keinesfalls. Sie würde auch heut und allezeit und genau wieder so um den Segen
bitten, selbst wenn ihr Vater in voller Rüstigkeit dabeistände. Das hat sie mir
gesagt, um mich und Euch, wahrscheinlich auch sich selbst zu beruhigen. Sie
beauftragte mich, ihr Eure Verzeihung zu bringen, dass sie von ihrer Pflicht
verhindert wird, Euch heut persönlich zu sehen, und ich schließe mich auch in
Beziehung auf mich diesem Wunsche an, weil meine ärztliche Pflicht jedenfalls
nicht geringer als diejenige der Tochter ist!«
    »Aerztliche Pflicht und Kindespflicht!« meinte da der Governor. »Ich meine,
es gibt noch eine dritte, die sich wohl auch mit beizugesellen hat, nämlich die
Menschenpflicht, oder, nennen wir sie hier in diesem Falle die Freundespflicht!
Wir können zwar weder mit dem Arzte medizinieren, noch dem Patienten die
liebevolle Aufmerksamkeit der Tochter ersetzen. Aber Ihr erlaubt es uns
vielleicht, mit zu wachen, abwechselnd für die Nacht. Und außerdem versteht es
sich ganz von selbst, dass wir Euch drei Leuten auch in jeder anderen Hinsicht
zur Verfügung stehen und zur Verfügung bleiben. Ich verspreche Euch, dass wir
Kota Radscha nicht eher verlassen werden, als bis wir Waller mitnehmen können,
hoffentlich nicht tot, sondern geheilt!«
    »Versprecht noch nichts, Mylord!« antwortete der Chinese. »Es ist nämlich
möglich, dass ich Euch sogar bitte,
