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    Er wurde unterbrochen. Von der Tür her, welche geöffnet worden war, erklang
ein lautes, herzbrechendes Schluchzen.
    In jener Gegend, so nahe am Aequator, wird es Punkt sechs Uhr Nacht. Die
Dämmerung ist außerordentlich kurz. Sie war schon da. Es gab im Zimmer bereits
jenes alles Aeusserliche verhüllende Duster, welches die scharfen Linien des
Tages verschwimmen und das Unkörperliche, das Seelische um so mehr hervortreten
lässt. Draußen im Korridore war es noch dunkler als bei uns. Darum konnten wir
die Gestalt Derjenigen, welche da stand, schon nicht mehr erkennen. So hatte auf
Grund unsers Gesprächsgegenstandes ihr Schluchzen etwas Unirdisches, etwas
außerordentlich Ergreifendes, ja Erschütterndes für uns. Es war, als weine nicht
ein Mensch, sondern jene unsichtbare, edle, weibliche Macht, welche in dem
Missionar so schwer und so unablässig gegen die bösen Geister seines Vorurteiles
zu kämpfen hatte.
    Der liebe, alte Uncle handelte am schnellsten von uns allen. Er eilte nach
der Tür, nahm die Schluchzende bei der Hand und brachte sie herein, wobei er
ganz vergaß, die Tür hinter ihr zu schließen. Es war Mary Waller. Sie hatte Tsi
gesucht, des Vaters wegen, und ihn nicht in seinem Zimmer gefunden. Da sie unser
lautes Sprechen hörte, nahm sie an, dass er bei uns sei. Ihr mehrmaliges Klopfen
war überhört worden, und so hatte sie geöffnet, um sich bemerklich zu machen.
Von unserm Gespräche festgebannt, hatte sie sich still verhalten; wie lange, das
war nicht zu erörtern.
    »Weint nicht, weint nicht!« bat der Governor. »Ich kann das nicht vertragen!
Menschentränen tun weher, viel weher als alles Andere!«
    Da nahm sie sich zusammen, kämpfte ihre Tränen wacker nieder und antwortete:
    »Beruhigt Euch, Mylord! Es war nicht Schmerz, was mich bewegte; ich weinte
Freudentränen. Oder meint Ihr, es gebe keinen Schmerz, dem es nicht erlaubt
wäre, sich auch einmal zu freuen? Auch in mir gibt es zwei Mächte, welche mit
einander kämpfen, grad so, wie bei ihm; nur sind sie anderer Art. Die eine ist
eine Teufelin. Sie will mich zwingen, ihn zu verurteilen, ihn für schuldig zu
halten. Die andere muss ein Engel sein. Sie versichert mir unablässig, dass er
freizusprechen sei. Die Teufelin weiß, dass mich Alles anwidert, was gegen die
Nächstenliebe und Menschenachtung spricht, und so oft Vater Derartiges getan
hat, dringt sie in mich, ihn zu hassen oder gar ihn zu verachten. Das ist
fürchterlich! Der Engel aber flüstert mir dann immer mahnend zu, dass mein Vater
ganz unmöglich in dieser Weise sprechen und in dieser
