. Ich werde immer mehr überzeugt, dass wir alle Ursache haben, sie
uns zum Muster zu nehmen!«
    Schon wollte ich antworten, da kam mir der heidnische Priester zuvor. Er saß
so bescheiden zwischen uns, aber doch wie Einer, der sehr wohl weiß, dass er dazu
berechtigt ist. Man sah, dass er nicht gelernt hatte, auf europäische Weise zu
speisen, doch brachte ihn das nicht im Geringsten in Verlegenheit. Er passte auf,
wie wir es machten, und ahmte es in so geschickter, intelligenter Weise nach,
dass nichts geschah, was einem Fehler glich. Und wenn er sprach, so tat er es in
jenem unaufdringlichen und doch keinesweges befangenen Tone, welcher gebildeten
Personen eigen ist, die zwar eine ganz bestimmte, feste Lebensansicht haben,
sich aber sehr wohl hüten, sie Andern aufdrängen zu wollen. So machte er auch
jetzt dem Governor, als dieser gesprochen hatte, eine höfliche Verneigung und
sagte, indem ein verbindliches Lächeln sein Gesicht überflog:
    »Ich danke Euch im Namen aller Derer, die dieses Lob verdienen, Sir! Aber
leider verdienen es nicht Alle, ja, nicht Alle! Es ist hier bei uns wohl ebenso
wie dort bei Euch: Das Niedrige kämpft gegen das Höhere; der Eine neigt zu
diesem und der Andere zu jenem, und nicht etwa das schönklingende Wort, sondern
nur das lebendige Beispiel des Edlen kann bewirken, dass die Tiefe nach und nach
zur Höhe emporgezogen wird. Ich sage, nach und nach. Denn das Steigen aus dem
Tale zur Höhe empor ist nicht so leicht und geht nicht so schnell, wie man es
wünschen möchte. Viele, Viele stürzen dabei wieder ab. Ja, es gibt sogar Welche,
die entweder gar nicht wissen oder gar nicht wissen wollen, dass menschliche
Höhen vorhanden sind. Ihr freut Euch darüber, dass Euch einige edeldenkende
Personen unserer Rasse begegnet sind. Das macht Eurem guten Herzen große Ehre.
Dieses Herz breitet nun sofort die beiden Arme aus, um die ganze Nation zu
umfassen und an sich zu drücken. Ich möchte Euch dafür umarmen, Sir. Aber die
Wahrheitsliebe gebietet mir, zu sagen, dass der Durchschnitt bei uns ganz
derselbe ist wie auch bei Euch. Ich liebe alle Menschen, und von ihnen allen
steht mir natürlich der Malaju49 am allernächsten. Ich möchte so gern, dass ich
ihn derart loben könnte, wie Ihr es tatet, aber das würde Selbstüberhebung sein
und wohl auch Ungerechtigkeit gegen Andere. Wie ein Mensch von dem andern zu
lernen hat, so soll auch jedes Volk auf das andere, jede Nation und jede Rasse
auf die andere schauen, um ihre Fehler zu vermeiden, ihre Tugenden aber sich
anzueignen. Indem wir dieses tun
