 ein großer Unterschied, ob ein gewöhnlicher Soldat oder ein
hoher General geheime Pläne hegt. Wenn ein Prinz von der Bedeutung Ahriman
Mirza's euch hinter dem Rücken des Schah-in-Schah mit Vernichtung droht, mit
seinen geheimen Gewalten prahlt und es unternimmt, euch verrückt klingende
Anschläge zu machen, die kein vernünftiger Mensch begreifen kann, so kann es
sich nicht um die bedeutungslose Subordination eines Soldaten gegen sein
Korporälchen handeln, sondern die Angelegenheit muss eine höchst wichtige sein,
und zwar nicht nur für dich und deine Dschamikun!«
    »Willst du mich bange machen, Effendi?« fragte er besorgt.
    »Nein! Ich will nur beweisen, dass wir vorsichtig zu sein haben. Wenn der
Mirza fortfährt, so schwatzhaft zu sein, wie er heut gewesen ist, so denke
wenigstens ich an keine Bangigkeit. Nur darf er nicht vermuten, dass wir ihn zu
durchschauen beginnen. Darum dürfen wir ihn in seinem Anschlage gegen Dschafar
Mirza nicht eher stören, als bis die rechte Zeit dazu gekommen ist. Wir machen
also seinen Brief an den Henker wieder zu. Der Multasim muss ihn auf jeden Fall
bekommen.«
    »Aber wie?«
    »Auf irgend eine Weise, die ihn im Zweifel darüber lässt, wer der Bote
gewesen ist.«
    »Das kann ich jetzt in Isphahan sehr leicht besorgen. Er wohnt ja da!«
    »Ja; tue das! Ich aber werde mir den Brief sofort abschreiben, und auch das
Alphabet. Es kann später von großem Vorteile sein, eine Kopie zu besitzen.«
    Ich machte die beiden Abschriften in mein Taschenbuch. Als ich damit fertig
war, erkundigte sich der Ustad:
    »Es ist möglich, dass ich Dschafar Mirza in Isphahan treffe. Ich soll ihm
also nichts sagen?«
    »Nein. Ich wünsche, dass er vollständig unbefangen sei, damit Ahriman Mirza
gar nichts merke. Dieser wird ihn auf irgend eine Weise veranlassen, mit hierher
zu reiten. Das gibt eine vortreffliche Gelegenheit, den Mord dann auf uns zu
schieben, welche Ahriman sich ganz gewiss nicht wird entgehen lassen wollen. Du
sagst Dschafar nur das eine, dass ich hier bin. Wenn er das hört, wird er sicher
kommen. Dann sind wir wahrscheinlich genauer unterrichtet als jetzt und können
ihm gleich Bestimmtes mitteilen, während er jetzt fast nur Vermutungen hören
würde.«
    »Durch die Erwähnung, dass man versuchen wird, Dschafar zum Wettrennen
herbeizulocken, erinnerst du mich daran, dass er das edelste und beste Pferd in
ganz Persien besitzt.«
    »Das ist viel gesagt, sehr viel!« bemerkte ich.
    »Es ist aber wahr!«
    »Jedenfalls hat er es nicht selbst gezüchtet?«
    »Nein. Es ist ein
