 seine Liebe noch immer treu bewahrte. Es muss doch etwas Großes um
die wahre, nicht geheuchelte, sondern wirklich aus dem Herzen wirkende Humanität
sein, wenn sie die Kraft besitzt, auf ihrem allgemein menschlichen Standpunkte
selbst gegen diejenigen Widersacher auszuhalten, die sich nicht scheuen, nur mit
den Waffen des Sonderinteresses anzugreifen und dabei doch zu versichern, dass
sie die Verfechter der allgemeinen Menschheitsrechte, des edlen Menschentums
seien. Hinweg also mit diesen Elaboraten! Ich warf sie auf den Herd, brannte sie
an, und als die Flamme emporschlug, flog auch die »Rechtfertigung« hinein, die
ganz ohne allen Grund geschrieben worden war.
    Nachdem ich mich hierauf noch einige Zeit mit den Werken des Ustad
beschäftigt hatte, ging ich schlafen und wachte nicht eher auf, als bis draußen
an meine Tür geklopft wurde. Dass man mich weckte, musste eine sehr triftige
Ursache haben. Ich stand auf und öffnete. Der Pedehr war es.
    »Verzeihe, Effendi, dass ich dich wahrscheinlich im Schlafe gestört habe!«
sagte er. »Es wird nicht lange dauern, so ist der Scheik ul Islam da.«
    »So zeitig? Woher weißt du es?« erkundigte ich mich.
    »Ich sprach gestern abend noch mit dem Chodj-y-Dschuna. Er hielt es für gut,
zu wissen, woran man sei. Darum ist er dann fortgeritten, in der Richtung nach
Chorremabad. Er kam bis an den Grenzduar der Dschamikun und erfuhr, dass der
Scheik ul Islam dort übernachte und heute mit dem frühesten Morgen aufbrechen
wolle. Er gebot Verschwiegenheit und ist nun hier, weil du gewünscht hast, dass
er anwesend sei. Sonst aber weiß Niemand davon. Wirst du jetzt herunterkommen?«
    
    »Nein. Schicke mir das Frühstück herauf! Wer kommt Alles mit?«
    »Es sind, Herren und Diener zusammen, fünfzehn Personen, alle sehr gut
beritten und bewaffnet. Man hat ihnen dort im Duar gesagt, dass kein Fremder ohne
die besondere Erlaubnis des Ustad bei uns Waffen tragen dürfe, sondern sie
abzugeben habe, sobald er das Gebiet der Dschamikun betritt. Sie haben sich aber
geweigert, dies zu tun.«
    »Nun, was dann? Hat man sie gezwungen?«
    »Nein. Man hat geglaubt, nicht streng verfahren zu dürfen, weil es der
Scheik ul Islam sei. Natürlich werden sie auch hier am ersten Hause angehalten.
Wenn du willst, werde ich sie unbedingt entwaffnen lassen. Wollen sie es sich
nicht gefallen lassen, so mögen sie umkehren, und ich lasse sie von einer
Reiterschar begleiten, bis sie über die Grenze sind.«
    »Recht so, Pedehr! So gefällst du mir! Es gibt keinen einzigen Menschen, vor
dem
