«
    »Sprich!«
    »Tifl lügt!«
    Er sagte nur diese beiden Worte; dann war er still.
    »So!«
    Ich sagte nur dieses eine Wort; dann war auch ich still. Nach einer Weile
fuhr er fort:
    »Ja, er lügt! Und du weißt, dass ich die Lüge hasse und den Lügner verachte!
Und doch muss ich mit diesem Menschen sprechen, denn ich bin Gast!«
    »Vielleicht irrst du dich,« warf ich ein. »Es ist ein großer Unterschied
zwischen der absichtlichen Lüge, welche aus schlechten Gründen täuschen will,
und einer Unwahrheit, die man mit gutem Gewissen verbreitet, weil man sie für
Wahrheit hält.«
    »Das weiß ich gar wohl, Sihdi; aber ich habe geprüft. Tifl weiß ganz genau,
dass er lügt. Auch ist es nicht bloß leichtsinnige Schwatzhaftigkeit von ihm, die
sich auf gleichgültige Dinge bezieht, sondern es handelt sich um
Angelegenheiten, welche von größter Wichtigkeit für uns sind. Ich meine nämlich
Ahriman Mirza.«
    »Hat er diesen belogen?«
    »Nein, sondern dich - - - uns!«
    »Wieso?«
    »Du frugst ihn vorgestern vor dem Mordüberfalle, woher der Henker wohl
wisse, wo deine Lagerstätte in der Halle sei. Er antwortete dir, er sei den
Persern vorangeritten und habe gar nicht mit ihnen gesprochen. Aber Ahriman
Mirza habe sich an die begleitenden Dschamikun gemacht und alles, was er wissen
wollte, aus ihnen herausgelockt. Tifl behauptete sogar, dass er über diese
unvorsichtige Schwätzerei sehr zornig gewesen sei. Besinnst du dich, Effendi?«
    »Ja. Ich erinnere mich noch jedes Wortes. Bezieht sich deine Behauptung etwa
auf diese seine Angabe?«
    »Ja. Er hat gelogen, dir mit vollem Bewusstsein in das Gesicht gelogen!
Ahriman Mirza hat während des ganzen Rittes nach der Grenze mit keinem andern
Dschamiki auch nur ein einziges Wort gesprochen. Bedenke seinen Stolz! Aber er
ist mit Tifl und dem Henker vorangeritten, Tifl zwischen ihnen, und diese drei
haben sich sehr lebhaft, fast wie gute Freunde, unterhalten. Beim Scheiden haben
der Mirza und Ghulam ihm sogar die Hand gereicht, um Abschied von ihm zu nehmen.
Was sie erfuhren, konnte also nur aus seinem, aus keinem andern Munde stammen.«
    »Woher weißt du das, Kara?«
    »Von Einem, der es am besten wissen muss, nämlich von Tifl selbst. Das war
gestern abend, als ich den Pferden zum letzten Male Wasser gegeben hatte. Ich
wollte noch nicht schlafen und ging ganz hinter, wo das Weideland aufhört und
die Ruinen beginnen. Dort ragt ein großer Mauerstein aufrecht empor, und nur
einige Schritte davon steht ein
