 in mir; der ist, als ob
er von Allahs Himmel stamme, so freundlich, so gütig, so edel, so aufopfernd, so
geduldig. Das ist dein Halef, den du liebst. Und es lebt einer in mir, der nicht
vom Himmel stammt, denn er ist stolz, trotzig, unvorsichtig, alles übertreibend,
prahlerisch, jähzornig, unversöhnlich, rachsüchtig. Das ist der Hadschi, der dir
nicht gefällt und den du meinst, so oft dein Hm! sich hören lässt. Du wirst
vielleicht fragen, warum ich den guten als den Halef und den schlimmen als den
Hadschi bezeichne; aber wenn ich dir sage, dass Halef ein Mann und Hadschi ein
Titel ist, so wirst du mich verstehen.«
    Für diejenigen, welche es noch nicht wissen, diene die Bemerkung, dass der
Anhänger des Islam dann zum Hadschi wird, wenn er eine der heiligen
muhammedanischen Städte als Pilger besucht und dort alle seine religiösen
Obliegenheiten erfüllt hat. Ein Hadschi in vollstem Sinne ist der, welcher in
Mekka, Medina und vielleicht gar noch in Jerusalem zum Besuch der Omarmoschee
gewesen ist. Für den Westafrikaner aber genügt es auch schon, das dort für
heilig geltende Kaïrwan besucht zu haben.
    Halef hatte nach seinen letzten Worten eine kurze Pause gemacht. Dann fuhr
er fort:
    »Als du mich damals in der Sahara kennen lerntest, war ich ein junger
unerfahrener und doch sehr eingebildeter Mensch. Ich nannte mich Hadschi,
obgleich ich kein Recht hatte, diesen Titel zu führen. Du freilich
durchschautest mich und lächeltest über diesen falschen Hadschi, der noch nie an
einem der heiligen Orte gewesen war. Ich nannte sogar meinen Vater und auch
meinen Großvater Hadschis, obgleich sie noch nicht einmal Kaïrwan im Lande Tunis
gesehen hatten. Das war nicht nur eine Lüge, sondern sogar eine Übertreibung
der Lüge bis auf meine Vorfahren zurück. Ich war eitel und ruhmsüchtig; ich
prahlte; ich wollte mehr sein, als was ich war, und aus dieser Unwahrheit
entsprangen alle anderen Fehler, welche sich über dein Hm! zu ärgern pflegen.
Darum habe ich den schlimmen Kerl, der in mir steckt und mir so viel zu schaffen
macht, den Hadschi genannt. Begreifst du mich jetzt, Sihdi?«
    »Sehr gut, mein lieber Halef.«
    »Und dieser Hadschi ist dir bekannt?«
    »Wahrscheinlich besser, als du denkst.«
    »So hoffe ich, dass dir auch der andere, der gute Kerl in mir bekannt ist,
den ich mit meinem Namen, also mit Halef bezeichne. Denn dieser hat mir immer
wieder zurückzuholen, was der andere mir von deiner Liebe und deiner Achtung
raubt. Diese beiden so verschiedenen Wesen wohnen in mir und streiten sich
unaufhörlich
