, der
unwiderstehlichsten Überredung fähig. Aber plötzlich zischend scharf, schrill,
widerlich rau. Es war die Stimme eines Verführers unter zweien, aber auch eines
grausamen Kommandanten unter vielen!
    Als er stolz und hochaufgerichtet vor uns stand und aller Augen auf sich
ruhen sah, zog er einen der Dolche aus dem Gürtel und steckte ihn vor sich in
die Erde. Ich wusste sehr wohl, was das bedeutete, schnellte mich aber doch, der
augenblicklichen Eingebung folgend, hin zu ihm und zog den Dolch wieder heraus,
um ihn zu betrachten. Sofort riss er ein Pistol hervor und richtete es auf mich.
Der Hahn knackte.
    »Du nimmst den Kampf auf?« fragte er drohend.
    »Nein,« antwortete ich.
    Wir sahen einander in die Augen. Es war mir, als ob wir noch öfters so vor
einander stehen würden. In den seinen lag der Hass sprungbereit. Mein Blick war
kalt; er verriet mich nicht. Da ließ er die Waffe sinken, nahm die
verächtlichste Miene an, die ich jemals gesehen habe, und sagte:
    »Ich weiß, du bist jener Dschermane, der mit dem Scheik der Hadeddihn im
Orient spionieren geht! Aber du kennst ihn nicht. Du kennst nicht einmal seine
bekanntesten Gebräuche. Wenn ein Feind zum Feinde kommt, um mit ihm zu reden, so
sticht er die Klinge seines Messers in die Erde, um anzudeuten, dass die
Feindschaft ruht, so lange gesprochen wird. Dasselbe meinte auch ich. Du
Unerfahrener hast mich nicht verstanden. Ich konnte dich niederschiessen, wenn
ich wollte. Ich habe dich aber begnadigt. Doch nicht auf lange Zeit. Sofort
wieder in die Erde mit dem Chandschar166! Sonst schieße ich!«
    Ich bückte mich und steckte ihn genau an seine vorige Stelle. Ich hatte
gesehen, wovon ich mich hatte überzeugen wollen. Dieser Dolch glich auf das Haar
dem Chandschar, den ich in Amerika damals von Mirza Dschafar als Geschenk
bekommen hatte. Beide mussten unbedingt aus der Hand eines und desselben
Waffenschmiedes hervorgegangen sein. Zwischen beiden musste es irgend eine innige
Beziehung geben, die ich aber nicht kannte. Und zwischen meinem Freunde Dschafar
und diesem Ahriman Mirza musste irgend ein Verhältnis liegen, von dem ich jetzt,
in diesem Augenblicke, zu ahnen wagte, dass es für mich von der schwerwiegendsten
Bedeutung sei. Es verstand sich ganz von selbst, dass der Perser nicht erfahren
durfte, weshalb ich nach dem Messer gegriffen hatte. Mochte er mich immerhin für
einen unerfahrenen Menschen halten! Es gewährt ja stets nur Vorteil, vom Feinde
unterschätzt zu werden.
    Als das Messer wieder an seinem Platze war, erklang die Stimme des Persers
höhnisch:
    »Ein Glück für dich, dass du mir gehorchst! Wahrscheinlich
