 mir
herüberklingen, in Tönen, die so gewaltig waren, dass für Stilfragen weder Zeit
noch Raum in mir gefunden wurde. Die Wirkung war da; was kümmerte mich der Stil!
    Was sind die altindischen Tempel? Die ägyptischen Pyramiden? Die
mittelamerikanischen Teocalli? Gewaltige Menschenwerke, welche der Zerstörung
bis heutigen Tages trotzten, ja. Doch reden sie zu uns von einer gewissen, ganz
bestimmten Zeit in einem ebenso gewissen, ganz bestimmten Tone. Hier aber lag
ein Bau vor mir, zu dem in unberechenbarer Vorzeit der Grund gelegt worden war;
die später Gekommenen hatten ihn fortgesetzt, und heut sah ich, dass er noch
fortzusetzen war. Also kein Überrest aus einer vergangenen, besonderen Epoche,
sondern ein steinernes Kalenderwerk von Anbeginn bis auf die Gegenwart, mit Raum
auch noch für die zukünftige Zeit!
    Von Anbeginn?
    Ja, von Anbeginn! Denn die lange, untere, massive, viele, viele Meter hohe
und bis in das Innere des Berges reichende Mauer hatte kein anderer als nur der
gegründet, der von Anfang war! Waren vielleicht die höheren Teile dann ihm
geweiht gewesen? Wie hieß hierauf der Mensch, der mächtige, dem diese
Riesenmauer noch zu niedrig gewesen war? Vielleicht Olor, der sagenhafte? Oder
war es Hasisadra, von dem man sagt, dass er zur Zeit der Sündflut dort König
gewesen sei? Hatte er das Nahen der Flut geahnt und baute höher, um sich vor ihr
zu schützen? Oder ging der Geist des ersten Brudermordes, Kains Gespenst, im
Lande um? Musste der Mensch sich von den Menschen durch Mauern trennen, die
selbst für Giganten unersteigbar waren? Denn die Riesenquader, welche ich auf
Gottes Fundament an- und übereinandergefügt sah, hatten wenigstens dieselben
Dimensionen, wie die weltberühmten Mauersteine, welche die Umfassungsmauer von
Baalbeck bildeten. Ich selbst bin, um ihn auszuschreiten, dort auf einen Block
gestiegen, den man Chadschar el Hubla nennt, und habe ihn über einundzwanzig
Meter lang, mehr als vier Meter hoch und genau vier Meter breit gefunden. Und
hier am »hohen Hause« zählte ich sechs Lagen solcher Steine. Sie waren nicht
durch Mörtel, sondern durch ihre eigene Schwere miteinander verbunden und hatten
so fein und genau geschliffene Seiten, dass von da aus, wo ich stand, selbst nach
verflossenen Jahrtausenden die Fugen nicht überall deutlich zu erkennen waren.
In gleicher Höhe mit ihnen lagen in den Seiten des Berges die Brüche, denen man
diese Kolosse entnommen hatte. Sie waren dunkel, fast schwarz gefärbt. Welche
Art von Gestein, das konnte ich natürlich von so weit aus nicht bestimmen.
    Was für Innenräume waren durch diese Quader wohl nach außen abgeschlossen
worden? Es gab in gewissen Zwischenräumen Oeffnungen, um Luft und Licht den
Zutritt
