 sondern ich erlaube dir, im Namen des Schah-in-Schah feig die
Flucht zu ergreifen. Es werden zwei meiner Dschamikun mitgehen, um dich zum Duar
hinauszuführen. Das Zurückkehren ist dir dann streng verboten!«
    »Mitgehen?«
    »Ja.«
    »Du meinst, mitreiten!«
    »Nein, du wirst laufen.«
    »Fällt mir nicht ein!«
    »Versuche doch, es zu ändern! Wer bewaffnet die Grenze der Dschamikun
überschreitet, ohne unsere Erlaubnis zu besitzen, der ist uns mit allem, was er
bei sich hat, verfallen. Es ist eine Gnade von mir, wenn ich dir die Freiheit
schenke. Pferd und Waffen gehören uns. So lautet der Vertrag, den der
Beherrscher mit unserm Ustad eingegangen ist. Ihr erklärtet unsere vier Pferde
für eure Beute, obwohl euch von ihren Reitern nichts geschehen war. Ihr aber
kamt in schlimmer Absicht zu uns; ihr wagtet es, die Herren zu spielen, mir hier
befehlen zu wollen. Es ist ganz folgerichtig, dass nun wir von Beute sprechen.
Der einzige Unterschied ist, dass alle eure Gäule zusammen nicht so viel wert
sind wie ein einziges von unsern edlen Tieren.«
    »Was wir besitzen, gehört nicht uns, sondern dem Schah-in-Schah!« behauptete
der Rittmeister.
    »Auch alles, was ihr den Kalhuran raubtet? Ihr habt es wieder herzugeben.
Man wird eure Taschen untersuchen, eure Kleider, alles, was ihr bei euch habt.
Ich lasse Kalhuran kommen, welche dies tun. Ihre Herden, die ihr für euer
Eigentum erklärtet, werdet ihr ihnen nun wohl lassen müssen, denn der Muhassil
ist tot, und vor seinen Soldaten, welche, wenn ich sie freigegeben habe, sich
ohne Pferde und Waffen von Mitleid zu Mitleid betteln müssen, braucht sich
niemand mehr zu fürchten!«
    Die Offiziere sahen einander betroffen an. Das hatten sie nicht erwartet!
Und nun, grad jetzt, geschah etwas, aus dem sie erkannten, dass es dem Pedehr
sehr ernst mit seinen Worten war. Nämlich die Dschamikun hatten ihre Gefangenen
untergebracht. Eine bestimmte Anzahl von ihnen war zu deren Bewachung beordert.
Andere verbreiteten sich über den Platz, um zum Dienste des Pedehr bereit zu
sein. Die übrigen aber setzten sich, als ob dies etwas ganz Selbstverständliches
sei, auf die Soldatenpferde und ritten auf oder mit ihnen zum Tore hinaus und
nach dem Dorfe hinunter. Das war natürlich alles vorher so bestimmt worden. Es
bedurfte hierzu weder eines Befehles noch irgend einer Frage. Dennoch aber hatte
der Pedehr bei der Entwerfung seines Verteidigungsplanes einen großen Fehler,
eine Unterlassungssünde begangen. Er hatte etwas nicht mit in Betracht gezogen,
was von einer andern und zwar höchst wichtigen
